42  Lriedrich  August  II.

erobern.  Daun  wollte  nunmehr  zur  Belagerung  Dresdens
schreiten;  aber  der  dortige  preussische  Commandant,  Graf
von  Schmettau,  erklaͤrte  sich  entschlossen,  im  Fall  einer  Belagerung
  die  Vorstaͤdte  von  Dresden  abzubrennen.  Da  er,
trotz  aller  Bitten  und  Wehklagen  des  Rathes  und  der  Einwohner,
  auf  diesem  Entschlusse  bestand,  so  wendete  man  sich,
seinem  Rathe  gemäß,  an  die  Kaiserlichen  und  beschwor  sie,
die  Belagerung  aufzugeben.  Diese  Vorstellungen  und  die
energische  Erklärung  des  Commandanten,  sich  im  schlimmsten
  Falle  von  Straße  zu  Straße  zu  schlagen  und  das  mit
Pulver  untergrabene  Palais  des  Churprinzen  zu  seinem  letzten
  Castell  zu  machen  (er  hätte  vielleicht  besser,  als  der  Zeitungsheld
  von  Antwerpen,  Chassé,  Wort  gehalten),  veranlaßte
  Daun,  sich  Dresden  aus  dem  Sinne  zu  schlagen.
Auch  sein  zweiter  Entwurf,  dem  Prinzen  Heinrich,  der  bei
Chemnitz  stand,  in  den  Rücken  zu  fallen,  während  Zweibrücken
  ihn  von  vorn  angreifen  sollte,  um  ihn  so  aufzureiben,
  unterblieb,  weil  der  König  zurückkam  und  in  der  Gegend
  von  Dresden  zu  Heinrich  stieß.  Aber  der  behutsame
Daun  —  dieser  österreichische  Fabius  Cunctator  —  war,
wie  sehr  es  auch  der  König  wünschte,  nunmehr  auch  nicht
aus  seinem  festen  Lager  bei  Stolpen  herauêzubringen.  Endlich
  verließ  er  es,  aber  nur  um  ein  eben  so  festes  Lager  bei
Kottlitz  ohnweit  Löbau  zu  beziehen.  Friedrich,  ihm  folgend,
nahm  eine  gewagte  Stellung  auf  den  Anhöhen  bei  Hochkirchen.
  Hier  bereitete  ihm  Daun  (13—  14.  October)  jenen
vernichtenden  nächtlichen  Ueberfall,  der  den  Preußen  gegen
9000  Mann  und  hundert  Stäck  Geschüß  kostete,  beinahe  allen
Generalen  —  unter  ihnen  dem  König  selbst—  Wunden  brachte
und  dem  General  Keith,  der  den  König  Tags  vorher  noch
gewarnt  und  ihm  cinen  Ueberfall  vorausgesagt  hatte,  das
Leben  kostete.  Leider  benutzte  Daun  diesen  ausserordentlichen
Sieg  bei  weitem  nicht  so,  wie  er  gesollt  hätte,  sondern  verschanzte
  sich  bei  Cannewitz  und  ließ  dem  Könige  Zeit,  sich
zu  verstärken  und  nach  Schlesien  zu  gehen.  In  Sachsen
war  nur  ein  kleines  pteussisches  Corps  unter  dem  General