Friedrich  August  II.  423

Fink  zuruͤckgeblieben;  daher  glaubte  Daun,  jetzt  seine  Anschlaͤge
  auf  Dresden  erneuern  zu  muͤssen.  Wirklich  leitete  er
eine  Belagerung  ein,  und  der  Commandant  Schmettau  ließ,
seinem  diesfallsigen  Versprechen  gemaͤß,  sofort  einen  Theil  der
pirnaischen  Vorstadt  in  Brand  stecken.  Als  sich  hierauf  der
Koͤnig  von  Schlesien  her  Dresden  wieder  naͤherte,  zog  Daun  ab.
Die  Versicherung,  daß  sein  Abzug  nur  aus  Achtung  gegen
die  koͤnigliche  Familie  in  Dresden  geschehe,  haͤtte  er  sich
wohl  besser  erspart.  Er  ging  nach  Boͤhmen  zuruͤck,  die  Reichsarmee
  aber  nach  Franken,  wo  sie  im  Mai  des  folgenden
Jahres  von  Prinz  Heinrich  bis  Naumburg  gejagt  wurde,
viele  Gefangene  und  ihre  Magazine  verlor.  Dagegen  mußte
die  Mehrzahl  der  in  Sachsen  zuruͤckgebliebenen  preussischen
Truppen  nach  der  Oder  aufbrechen,  indem  die  Russen  das
brandenburg'sche  Gebiet  bedrohten;  nur  Dresden,  Leipzig,
Torgau  und  Wittenberg  blieben  von  den  Preußen  besetzt.
Die  Reichsarmec,  hierin  eine  neue  günstige  Gelegenheit  zu
einer  Befreiung  Sachsens  wahrnehmend,  rückte  vor  Leipzig,
welche  wenig  befestigte  Stadt  ohne  langen  Widerstand  übergeben
  wurde.  In  Torgau  wehrte  sich  der  tapfere  preussische
Commandant  Wolfersdorf  mit  ausserordentlichem  Muthe;
aber  Mangel  an  Munition  noͤthigte  auch  ihn  endlich,  die
ihm  gebotene  ehrenvolle  Capitulation  anzunehmen.  Leichter
bekam  man  Wiltenberg,  dessen  Besatzung,  zum  großen  Theile
aus  Sachsen  bestehend,  die  Friedrich  in  preussische  Uniform.
gezwängt  hatte,  den  Commandanten  zu  schleuniger  Annahme
der  Capitulation  drängte.  Die  österreichischen  Generale  Maquire
  und  Guasco  hatten  Dresden  schon  seit  dem  9.  August
eingeschlossen,  der  Herzog  von  Zweibrücken  gesellte  sich  mit
der  Reichsarmee  zu  ihnen.  Schmettau  ließ  abermals  einen
Theil  der  Vorstädte  anzünden  und  hatte  der  Neustadt  ein
gleiches  Schicksal  zugedacht,  sobald  sie  vom  Feinde  beschossen
würde,  was  jedoch  die  Vorstellungen  des  churfärstlichen  Hofes
verhüteten.  Schmettau's  frühere  hartnäckige  Beschlüsse  wurden
  durch  die  Nachricht  von  der,  von  den  Preußen  verlerenen
Schlacht  bei  Cunnersdorf,  stark  erschöttert.  Der  König  felbst,