424  Friedrich  August  II.

welcher  ihm  diesen  Unfall  meldete,  gab  ihm  zugleich  zu  erkennen,
  daß  es,  nach  diesem  gewaltigen  Verluste,  schwer
halten  moͤchte,  Dresden  zu  entsetzen,  und  er  deshalb  im
schlimmen  Falle  auf  eine  Capitulation  bedacht  seyn  moͤge,
durch  welche  wenigstens  die  dort  befindlichen  Cassen  gerettet
würden.  Nachdem  Schmettau  noch  einige  Wechen  vergebens
  auf  Entsatz  gewartet  hatte,  unterzeichnete  er  endlich  am
4.  September  die  Capitulation,  welche  ihm  und  seiner  Besatzung
  freien  und  ehrenvollen  Abzug  mit  Bagage,  Artillerie,
Munition  und  Geldwagen  —  ihr  Inhalt  soll  sich  auf  5  Millionen
  belaufen  haben,  die  man  aus  dem  so  zerrütteten  Lande
erpreßt  hatte  —  zusicherte.  Hätte  er  nur  einen  halben  Tag
noch  ausgehalten,  so  wäre  Dresden  dem  Koͤnige  von  Preußen
erhalten  gewesen;  denn  kaum  war  die  Capitulation  unterzeichnet
  und  ein  Thor  von  den  Oesterreichern  besetzt,  als  der
von  dem  Koͤnige  zum  Entsatze  Dresdens  herbeigeschickte
preussische  General  Wunsch  zwei  Meilen  vor  der  Hauptstadt
erschien.  Einige  seiner  Untergebenen  wollten  Schmettau  nunmehr
  bereden,  unter  diesen  Umständen  die  Capitulation  nicht
zu  halten,  doch  war  Schmettau,  aus  mehreren  Gründen,
anderer  Meinung  und  zog  ab.  Der  Konig,  obgleich  er  ihm
selbst  zu  diesem  Schritte  gerathen,  vergab  ihm  gleichwohl
die  Uebergabe  Dresdens  nie  und  bewog  durch  seine  Ungnade
denselben,  sich  von  der  Armee  zu  entfernen.  Leipzig,  Wittenberg
  und  Torgau  wurden  durch  Wunsch  den  Preußen  wieder
gewonnen,  wodurch  diese  wieder  festen  Fuß  in  Sachsen
faßten  und  an  eine  Wiedereroberung  des  Landes  denken
konnten.  Diesem  Plane  gemäß,  ließ  der  König  den  General
Fink  mit  Truppen  nach  Sachsen  gehen,  mit  welchem  sich
kurz  darauf  der  Prinz  Heinrich  veresnigte.  Um  diesen  in
seinem  Lager  bei  Strehla  einzuschließen,  theilte  Daun  seine
Armee  in  verschiedene  Corps,  er  änderte  aber  seinen  Entschluß,
als  das  stärkste  dieser  Corps  geschlagen  wurde,  und  nahm
endlich  eine  feste  Stellung  in  der  Gegend  von  Plauen  bei
Dresden.  Friedrich  II.  aber  ließ,  um  Daun  wo  moöglich
einzuschließen  oder  zurückzusagen,  seine  Armee  ein  Lager  bei