Friedrich  August  II.  425

Wilsdruf  beziehen.  Da  er  Daun  von  —  abzuschneiden
wünschte,  so  schickte  er  den  General  Fink  mit  11,000  Mann
nach  Dippoldiswalda,  um  die  nach  Böhmen  führenden  Pässe
zu  besetzen.  Die  Oesterreicher,  durch  aufgefangene  Briefe
von  dem  Unternehmen  in  Kenntniß  gesetzt,  überfieken  Fink
am  20.  Novbr.  mit  40,000  Mann.  Ohngeachtet  des  heftigen
  Verlustes,  den  er  gleich  anfangs  erlitt,  wehrte  er  sich
nach  Moglichkeit,  ward  aber  dergestalt  eingeschlossen,  daß
an  kein  Entkommen  mehr  zu  denken  war,  mußte  daher  capituliren
  und  sich  mit  seinem  ganzen  Corps  ergeben.  Statt
nunmehr  die  durch  diesen  großen  Verlust  so  sehr  geschwächten
Preußen  anzugreifen,  verhielt  sich  Daun  unthätig  in  seinem
Lager  bei  Plauen  und  ließ  den  König  im  Besitz  des  bei  weitem
  größten  Theiles  von  Sachsen.  Für  dieses  Land,  welches
  zwei  feindliche  Armeen  beherbergen  mußte,  war  der
Winter  1750  —60  eine  fürchterliche  Zeit.  Durch  die  Cantenirungéquartiere,
  welche  nur  unvollkommen  gegen  die  ausserordentliche
  Strenge  dieses  Winters  schützen  konnten,  litten
beide  Armeen  und  es  brachen  ansteckende  Krankheiten  aus,
welche  einer  Menge  Menschen  das  Leben  kosteten.  Zudem
qudlte  Friedrich  II.  das  unglückliche  Land  wiederum  auf  das
Grausamste  mit  ungeheuern  Contributionen  und  Lieferungen,
die  er  aus  ihm  erpreßte,  und  recrutirte  so  stark  es  nur  anging,
  so  daß  er  bald  wieder  Ueberfluß  an  Truppen  hatte.
Das  Jahr  1760  entwickelte  den  größten  Scenenreichthum
des  Krieges,  aber  auch  für  Sachsen  die  größten  Drangsale.
Ein  im  Juni  unter  dem  General  Lascy  vorrückendes  österreichisches
  Corps,  mußte  sich  vor  den  Preußen  zurückziehen;
dann  aber  veranlaßte  die  Niederlage  Fouquet's  bei  Landshut
—  die  den  Oesterreichern  ganz  Schlesien  erdffnete  —  den
Konig,  zum  Schutz  dieser  Provinz  seinen  Marsch  in  die  Lausitz
zu  nehmen,  wohin  Daun  ihm  von  der  Seite,  Lascy  im
Räcken  folgte.  Daun  stand  noch  eher  an  den  Gränzen
Schlesiens,  als  der  Konig,  welcher  plotzlich  sich  umkehrte  und
Lascy  nothigte,  sich  über  die  Elbe  nach  Plauen  zu  wenden,
wo  mittlerweile  die  Reichsarmee  unter  dem  Prinzen  von