126  Friedrich  August  II.

Zweibrücken  angekommen  war,  mit  welcher  er  sich  vereinigte.
Friedrich  1I.  hoffte  nunmehr,  Dresden  zu  einer  schnellen  Capitulation
  zu  bringen;  da  aber  der  Commandant  Magquire
von  keiner  Uebergabe  wissen  wollte,  so  wurde  vom  14.  Juli
an  die  Stadt,  anfangs  mit  leichterem,  dann  aber  mit
schwerem  Geschütz,  beschofsen.  Die  Preussen  brannten,  um
sich  den  Wällen  besser  nähern  zu  konnen,  einen  Theil  der
Vorstädte  an  und  das  Feuer  griff  nun  mit  aller  Wuth  um
sich.  Ganze  Straßen  brannten  von  einem  Ende  bis  zum
andern  nieder.  Auch  der  Thurm  der  Kreuzkirche  fing  Feuer
und  zerschmetterte  im  Einsturze  das  Dach  und  das  Gebäude.
Wem  es  moglich  wurde,  der  rettete  sich  in  die  Neustadt;
die  von  den  unglücklichen  Eimwohnern  in  bombenfesten  Kellern
  verwahrte  Habe  wurde  von  der  österreichischen  Besatzung
selbst  aufgesucht  und  geplündert.  Nach  Daun's  Rückkehr  —
die  zum  Unglück  für  die  Stadt  nur  zu  spät  erfolgte  —  wurden
  die  Preußen  von  dem  diesseitigen  Elbufer  völlig  weggejagt,
  und  die  Neustadt  war  wieder  frei.  Die  Oesterreicher
wagten  daher  häufige  Ausfälle,  und  in  der  Nacht  vom  21
—  22  Juli  wurden  die  anstärmenden  Preußen  so  nachdrücklich
  zurückgeschlagen,  daß  der  Koͤnig  seine  ganze  Stellung
verändern  mußte  und  dadurch  Dresden  für  ihn  verloren  war,
zumal  es  seiner  Armee  an  Munition  mangelte  und  die
Oesterreicher,  als  Herren  der  Elbe,  die  Zufuhr  verhinderten.
Die  Nachricht,  daß  die  Festung  Glatz,  der  Schlässel  Schlesiens,
  den  Preußen  verloren  gegangen  sey,  war  ein  neuer
Schlag  für  ihn  und  beschleunigte  seinen  Aufbruch  nach  Schlesien.
  Dresden  athmete  nunmehr  wieder  auf,  aber  was
hatte  es  durch  diesen,  obgleich  fehlgeschlagenen  Versuch  Friedrich's
  II.  gelitten  und  verloren!  Fünf  Kirchen  und  416  Haͤuser
  lagen  in  Asche,  Tausende  von  Einwohnern,  die  sich  Brodlos
  gemacht  sahen,  mußten  zu  dem  Wanderstabe  greifen,
Unzählige  waren  verarmt,  Viele  hatte  der  Tod  hingerafft.  Der
eidlich  beschworene  Verlust  an  Eigenthum  betrug  1,176,  405
Thaler.  Diese  neuen  Wunden  konnte  das  ohnedies  sieche
Land  lange  nicht  verschmerzen.