Friedrich  August  II.  427

Friedrich  ließ  den  General  Huͤlsen,  mit  einem  nur  maͤßig
starken  Corps  in  Sachsen  zurück.  Daun  und  Lasch  folgten
mit  der  österreichischen  Hauptarmee  dem  Könige  wiederum
nach  Schlesien,  und  die  Eroberung  Sachsens  blieb  der
Reichsarmee  überlassen,  welche  durch  ein  österreichisches
Corps  unter  Haddick  und  dann  auch  noch  durch  12,000
Würtemberger  verstärkt  wurde.  Sie  nöthigte  den  General
Hülsen,  nach  tapferem  Widerstande  Torgau  zu  verlassen;  und
nahm  auch  Wittenberg,  nachdem  vorher  der  größere  Theil
der  Stadt  eingeäschert  worden  war.  Hülsen  hakte,  nach  tapferer
  Gegenwehr  gegen  die  Uebermacht,  im  October  Sachsen  ganz
räumen  mussen.  Als  jedoch,  in  demselben  Monate,  der  Konig
  von  seinem  glücklichen  Feldzuge  in  Schlesien  und  Brandenburg,
  nach  Sachsen  zurückkehrte  und  sich,  nach  Ueberschreitung
  der  Elbe,  bei  Langenreichenbach  lagerte,  zog  sich
die  ReichSarmee  von  der  Elbe  weg  und  nach  Leipzig  zurück,
wo  sie  —  in  der  Hoffnung,  daß  Daun  zu  ihr  stoßen  werde
—  sich  zu  verschanzen  begann.  Als  diese  Erwartung  jedoch
fehlschlug  und  die  Würtemberger  obendrein  sich  von  der
Reichsarmee  trennten,  gab  sie  Leipzig  ohne  Widerstand  auf,
welches  sofort  Hülsen  besetzte.  Friedrich  wendete  sich  nunmehr
  gegen  Daun,  welcher  ein  festes  Lager  bei  Torgau  bezogen
  hatte,  griff  ihn,  trotz  aller  Schwierigkeiten,  (3.  Novbe.)
an,  und  gewann,  obgleich  nicht  ohne  bedeutende  Opfer,
die  Schlacht.  Dieser  Sieg  machte  den  König  wieder  zum
Meister  von  ganz  Sachsen,  mit  Ausnahme  Drebdens,  und
bereitete  ihm  die  Winterquartiere  in  Leipzig.  Wie  immer,
trat  Friedrich  auch  hier  mit  ungeheuren  Forderungen  auf,
die  nicht  weniger,  als  eine  Million  Thaler  betrugen.  Der
Magistrat  weigerte  sich  standhaft,  dieses  Verlangen  zu  erfüllen;
  die  Preußen  drohten,  im  fortgesetzten  Weigerungsfalle,
mit  Brand  und  hingen  deshalb  schon  Pechkränze  an  den
Häusern  auf.  Da  die  Preußen  jedoch  durch  Einéáscherung
der  Stadt  sich  selbst  am  wehesten  gethan  haben  würden,
so  glaubte  man  mit  Recht  dieser  Drohung  nicht.  Wohl  aber
wurden  die  ersten  Magistratspersonen  und  die  vornehmsten