Die  Zeit  ber  Adminsstration.  441

Licht.  —  Nicht  weniger  erhielt  das  Mllitatewesen,
welches  dem,  kriegerischen  Angelegenheiten  besonders  holden
Xaver  sehr  am  Herzen  liegen  mußte,  eine  neue  Gestaltung.
Die  höchsten  militairischen  Würden  zählten  einen  Feldmarschall,
  zwei  wirkliche  Generale,  vier  Generallieutenants  und
acht  Generalmajors,  und  sowohl  die  Garden,  wie  die  Fuß=  und
Reiterregimenter  wurden  einer  neuen  Einrichtung  unterworfen.
Die  Avancements  der  Officiere  sollten  künftig  nicht  mehr
von  Willkühr  und  Begünstigung  abhängen,  die  Disciplin,
aber  auch  die  bessere  Verhaltung  der  Soldaten  besser  beaufsichtigt
  werden.  Mehrere  Schlösser,  wie  die  zu  Leipzig,
Stolpen,  Senftenberg  und  Pirna,  warden  nicht  mehr  als
Festungen  unterhalten,  die  bisher  darin  gelegenen  Invalidenbesatzungen
  zu  Garnisonen  umgestaltet,  die  neugeschaffene
Artillerie  bestens  beachtet,  im  J.  1768  zu  Dresden  eine  Artillerieschule
  errichtet,  der  militairische  St.  Heinrichsorden
erneuert  und  ihm  eine  Rente  von  15,000  Thle.  angewiesen.
Die  Vorliebe,  mit  welcher  Kaver  diese  auf  militairische  Angelegenheiten
  sich  beziehenden  Anordnungen  betrieb,  ließ  ihn
wiederholt  vergessen,  daß  er  in  einem  von  Kriegsdrangsalen
ausgesaugten  und  verarmten  Lande  haushalte,  und  hätte  er
allcin  seinem  Kopfe  folgen  dürfen,  so  würde  der  Armeaufwand
  den  bei  weitem  größten  Theil  der  geschwächten  Landescinkünfte
  verschlungen  haben.  Mit  den  Ständen  gerieth
er,  wegen  seiner  diesen  als  unverhältnißmäßig  erscheinenden
  Forderungen  für  den  Bedarf  und  für  Vermehrung  des
Heeres,  einige  Male  hart  zusammen  und  erhielt  sich  nicht
frei  von  dem  Vorwurfe  willkührlichen  und  zu  unbeugsamen
Sinnes.  Dennoch  ließ  er  noch  zu  rechter  Zeit  von  seinem
Gelüsten  auf  die  polnische  Krone  ab,  nachdem  auf  russischen
Betrieb,  die  Polen  den  Stanislaus  Poniatowsky  zu  ihrem
Koͤnige  gewählt  hatten,  und  verzichtete  am  6.  Octbr.  1765,
im  Namen  des  Churprinzen,  auf  Polen,  so  wie  zwei  Wochen
spater  Stanislaus  allen  Ansprüchen  an  Sachsen  entsfagte.
Die  Verpachtung  der  Generalaccise,  wodurch  bieher  Anlaß
  zu  mannigfachen  Irrungen  und  Unterschleisen  gegeben
worden  war,  wurde  schon  im  Decbr.  1763  aufgehoben;
1765  die  ersten  zweckdienlichen  Vorkehrungen  gegen  die  bis-