442  Die  Zeit  der  Administration.

herigen  Mißbraͤuche  der  Zünfte  und  Innungen  getroffen,  und
zu  Wiederherstellung  der  Landstraßen,  welche  im  Kriege  fehr
gelitten  hatten,  im  nämlichen  Jahre  eine  Generalinstruction
für  die  Straßenbaucommission  und  deren  ausübende  Diener,
  erlassen.  Am  30.  April  1764  wurde  auch  das,  schon
1749  von  den  Ständen  berathene  neue  Lehnsmandat,  und
am  20.  Decbr.  1766  das  noch  weit  früher,  nämlich  schon
auf  dem  Landtage  von  1746  begutachteke  strenge  Gesetz  gegen
  die  Banqueroutiers,  wie  auch  eines  gegen  die  Hazardspiele
  bekannt  gemacht.  Im  nämlichen  Jahre  wurde  zu
Halle  auch  eine  Convention  mit  Preußen  zu  Erleichterung
des  Handels  auf  den  Messen  beider  Staaten  unterzeichnet.

Ein  dusserst  wichtiges  Geschenk  erhielt  Sachsen  durch
den  König  Carl  III.  von  Spanien,  in  ohngefähr  hundert
spanischen  Schafen  und  hundert  Widdern,  die  im  Juli
1765  ankamen.  Man  wußte  sich  später  #hnliche  Sendungen
  zu  verschaffen,  und  diese  waren  für  die  Veredlung  der
sächsischen  Schafe  und  ihrer  Wollen  vom  vortheilhaftesten
Einslusse.  Zu  Hohenstein  legte  man  eine  Schule  für  sechs
Schäfer,  und  ebendaselbst,  so  wie  auch  noch  zu  Lohmen
und  Rennersdorf,  churfürstliche  Schéfereien  an.  Die  Kammergüter
  erhielten  Abkèmmlinge  spanischer  Zucht  zum  Geschenke,
  viele  Rittergüter  brachten  deren  ebenfalls  durch  Kauf
oder  Schenkung  an  sich,  und  so  veredelte  sich  die  Wolle  allmaͤlig
  im  ganzen  Lande.  Hierdurch  eröffnete  sich  für  Sachsen
  einer  der  wichtigsten  Industriezweige.  Die  immcr  steigende
  Ausbeute  und  Güte  der  Wolle  brachte  bedeutende
Summen  ein,  und  man  schlug  den  jährlichen  Wollenverkauf
zu  Leipzig  auf  70,000  Stein,  im  Geldbetrag  auf  ohngefähr
1,500,000  Thlr.  an.  —  In  diesen  und  ähnlschen  Eimichtungen
  war  der  gute  Wille  und  die  Thätigkeit  des  Administrators
  nicht  zu  verkennen.  Dennoch  ließen  anderseits  seine
Wildlkührlichkeiten  und  seine  rücksichtslosen  Forderungen  für
das  Militair,  selnen  Abgang  von  der  Administration  nicht
so  sehr  beklagen.  Ruhe  war  des  harterschöpften  Landes  erstes
  Bedürfniß,  und  diese  zu  geben,  lag  nicht  so  recht  in
seinem  unruhigen  Charakter.

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