446  Friedrich  August  III.

Fuͤrsten,  der,  wenn  auch  nicht  durch  geistige  Ueberfülle,  doch
durch  verstandige,  leidenschaftlose  Ruhe,  durch  würdevollen
Ernst,  vor  Allem  aber  durch  aufopfernde  Rechtlichkeit,  gewissermaßen
  über  seiner  Zeit  stand.  Die  große  Schule  des
Unglücks,  die  ihn  frühzeitig  aufnahm,  bildete  seine  nicht
unbedeutenden,  Fähigkeiten  besser  aus,  als  es  vielleicht
  unter  glücklichern  Verhältnissen  geschehen  wäre.
Die  Leiden  des  siebenjährigen  Krieges,  welche  ihn  so
nahe  berührten,  verbreiteten  einen  Ernst  über  sein  Wesen,
das  sich  überhaupt  im  leichten  und  heiteren  Lebensgenusse
  nicht  recht  beimisch  fand.  Friedrich  August  sollte,
wie  eine  ernste  Reflexion,  auf  die  Galanterieen  des  Urgroßvaters
  folgen;  er  war  das  Inbild  des  entrauschten  Sachsens,
das,  vom  Taumel  des  Schmerzes  wie  des  Genusses  erwacht,
allmálig  ernste,  und  freilich  nicht  behagliche  Betrachtungen
über  seinen  eignen  Zustand  anstellte.  Was  dem  jungen  Fürsten
  besonders  zu  Statten  kam,  war  eine  ausserordentliche
Gedächtnißkraft.  Diese  machte  ihm  besonders  schnell  die
Sprachen  eigen,  deren  Kenntniß  er  bis  zu  einer  gewissen
Tiefe  trieb.  Pflanzenkunde  und  Naturwissenschaften  zogen
ihn  vor  Allen  an,  ihnen  gesellte  sich  —  ein  scharfer  Contrast
  zu  den  vorzugsweise  von  ihm  geliebten  trockneren  Dingen
  —  die  Musik  zu,  die  er  jedoch  mehr  mit  mathematischer
  Genauigkeit  betrieb.  Jedenfalls  hatte  Marcolini
große  Verdienste  um  Friedrich  August.  Er  verlieh  demselben
plastischen  Sinn  und  feuerte  dessen  Geist  an.  Man  mochte
es  dem  Italiener  billig  nachsehen,  daß  er,  auf  des  Churfärsten
  Freundschaft  und  die  ihm  geleisteten  Dienste  pochend,
sich  hin  und  wieder  Willkührlichkeiten  gestattete.  Daß  er
z.  B.  italienische  Künstler  zum  Nachtheile  deutscher  begünstigt
habe,  scheint  ein  nicht  durchgängig  gegründeter  Vorwurf  zu
seyn,  indem  sich  viele  Beispiele  aufführen  ließen,  wo  er
deutschen  Künstlern  die  größte  Aufmunterung  und  Unterstützung
  erwies.  Daß  er  aber,  wenn  auch  nicht  auf  unmittelbarem
  Wege,  den  Churfürsten  zu  behandeln  und  die  Zugänge
  zu  demselben  durch  seine  Leute  zu  beseßen  verstand,
möchte  schwerer  zu  läugnen  seyn.  Einfluß  auf  die  Staats-