Friedrich  August  III.  447

und  Regierungsangelegenheiten  suchte  Marcolini  nicht,  da
Friedrich  August  jedes  dergleichen  Bestreben  durchschaute  und
übel  aufgenommen  haben  würde.

Der  Administrator,  obschon  er  es  übrigens  redlich  mit
dem  Churprinzen  gemeint  zu  haben  scheint,  unternahm  gleichwohl
  keine  Schritte  rücksichtlich  dessen  Erziehung,  und  so
kam  Friedrich  August,  mehr  durch  sich  selbst  gebildet,  zur
Regierung  eines  Landes,  das,  wie  wir  schon  bemerkt,  vom
Taumel  des  Leidens  wie  des  Genusses  allmälig  zum  trostleeren
  Selbstbewußtseyn  zurückkehrte  und  erschreckt  in  die  tiesen
  Wunden  sah,  welche  in  der  eignen  Brust  seinem  Blicke
entgegenklafften  und  die  Friedrich  August  erkannte.

In  einer  ruhigeren  Zeit  würde  Sachsen  sich  unter  Friedrich
  August  aller  Segnungen  des  Friedens  erfreut  haben,
denn  jedenfalls  war  dieser  Fürst  ein  Staatsmann,  der  seines
  Gleichen  suchte.  Aber  jener  ungeheuren  Epoche,  jenen
welterschütternden  Stürmen  waren  seine,  in  der  friedlichen
Stille  des  Cabinets  ausgearbeiteten  und  auch  dessen  Charakter
  tragenden  Plane  nicht  gewachsen.  Sie  bedurften  einer
ruhigen  Sonne,  um  zu  gedeihen.  Stellen  wir  Friedrich  August
  unabhängig  von  diesen  äusseren  Unfällen  hin,  so  bleibt
uns  in  ihm  ein  edles,  würdevolles  Fürstenbild,  das  zwar
nicht  mit  den  siegenden  Blitzen  des  Genie's  leuchtet,  das
aber  dem  Sachsen  theuer  seyn  muß,  weil  dieser  Fürst  die
Todeszuckungen  seines  Vaterlandes  schwer  mitempfinden  mußte
und  Letzterem  der  begleitende  und  mitleidende  Freund  in  den
schwersten  Augenblicken  war,  die  dieses  Land  überhaupt  erlebte.


Einer  der  schönsten  Züge  in  Friedrich  August's  Regierung
ist  jenes  gänzliche  Enthalten  aller  Willkühr,  Eine  strenge
Gerechtigkeit  ließ  er  uber  jede  seiner  Handlungen  wachen,
und  jede  derselben  trug  das  Gepräge  der  Ueberlegung  und
der  Zweckmäßigkeit.  Obgleich  er  mit  seiner  Zeit  nicht  glei--chen
  Schritt  hielt  und  auch  nicht  uberall  halten  durfte,  da
ihr  krankhaftes  Emporreißen  keine  gleichmáßige  Entwickelung,
sondern  die  Nothwendigkeit  eines  frühern  oder  spätern  Zurückschreitens
  voraussehen  ließ,  so  wußte  er  doch  in  vieler