Friedrich  August  III.  419

geographischen  Lage  hatten  die  Markgrafen  von  Meissen  und
nunmehrigen  Churfürsten  von  Sachsen  diese  Hoheit  behauptet
  und  auch  wirklich  geübt.  Diese  Verhaltnisse  hatten  zu
wiederholten  Streitigkeiten  geführt,  und  die  Grafen  von
Schönburg  wurden  von  Oesterreich  lebhaft  in  ihrem  Bestreben
  unterstützt.  Eine  Schuldklage  des  preussischen  Grafen
Finkenstein  gegen  den  Grafen  Albert  Christian  Ernst  von
Schonburg  veranlaßte,  daß  die  Landesregierung  zu  Dresden
die  gerichtliche  Execution  an  des  Letztern  Mobilien  und  Einkünften
  verfügte.  Der  Oesterreichische  Hof,  welchem  sich
Schönburg,  um  der  sächsischen  Rechtspflege  zu  entgehen,  in
die  Arme  warf,  nahm  sich  seiner  an  und  Maria  Theresia
verlangte  die  Wiederherstellung  der  Dinge  in  den  vorigen
Stand.  Der  Churfürst  erklärte  darauf:  „er  habe  nur  seine
Hoheitsrechte  behauptet,  ohne  die  böhmischen  Lehnsrechte  zu
beeinträchtigen;  der  Gang  des  Rechts  gegen  den  Grafen
könne  nicht  unterbrochen  werden.“  Ohne  weitere  Antwort
von  Seiten  der  Kaiserin  -Königin,  so  wie  ohne  vorherige  Requisition,
  rückten  gegen  200  Mann  österreichische  Soldaten
durch  das  Erzgebirge  in  Glauchau  ein  und  führten  den  Grafen
  dahin  zurück.  Um  die  Mißverhältnisse  seiner  Seits  nicht
zu  mehren,  ließ  der  Churfürst  seine  Truppen  die  Standquartiere,
  wohin  die  Oesterreicher  kommen  würden,  räumen,  und
verwahrte  seine  Rechte  in  einer  diplomatischen  Note.  Dagegen
  ließ  die  Kaiserin-Königin  der  Schbnburgischen  Gesammtregierung
  zu  Glauchau  erklären,  daß  der  Receß  vom  4.  Mai
1740  aufgehoben  sey  und  sie  die  Landes=  und  Oberlehnsherrschaft
  über  die  erwähnten  drei  Herrschaften  in  ausschließlichen
  Besitz  nehme.  Die  Schöônburgischen  Unterthanen  wurden
  an  die  Krone  Böhmen  gewiesen  und  bedeutet,  sich  nicht
mehr  nach  sächsischen  Perordnungen  zu  fügen.  Zur  Bekraͤftigung
  wurden  an  den  Gränzen  der  drei  Herrschaften  die
Reichsadler  aufgesteckt.  Des  Churfürsten  wiederholte  und
von  Preußen  unterstützte  Vorstellungen  blieben  geraume  Zeit
unbeantwortet,  und  endlich  blieb  der  Wiener  Hof  bei  dem
durch  Kaunitz  gethanen  Versprechen  stehen,  daß  man  die
österreichischen  Truppen  und  die  böhmische  Lehnscommission
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