Friedrich  August  III.  453

Ehre  machte,  da  der  Tausch  mit  Land  und  Leuten,  zu  Folge
dessen  die  Menschen  als  ein  zu  verdusserndes  und  zu  überantwortendes
  Ding  und  Eigenthum  betrachtet  werden,  im
Naturrechte  nicht  eben  die  beste  Unterstützung  findet.  Zwar
wurde  von  Preussischer  Seite  dieses  Anerbieten  wiederholt
und  Oesterreich  begünstigte  dieses  Tauschproject  ungemein;
dennoch  blieb  der  Churfürst  bei  seiner  abschlägigen  Erklärung
stehen.  Schon  glaubten  durch  diesen  Vorfall  Preußen  und
Sachsen,  jeder  den  andern  für  sich  erkaltet;  aber  die  persönliche
  Freundschaft  der  beiden  Regenten  hatte  nicht  darunter
gelitten,  und  Sachsen  durfte  diese  Bemerkung  um  so  erfreulicher
  seyn,  da  Oesterreich  ihm  selbst  das,  anfangs  von  dem
Churfürsten  verlangte  Recht  der  Neutralität  nur  unter  der
Bedingung  zugestehen  wollte:  daß  den  Oesterreichern  der  freie
Durchzug  durch  Sachsen  verstattet,  ingleichen  die  Festung
Kdnigstein  auf  zwei  Jahre  überlassen  und  das  sächsische  Heer
bis  auf  4000  Mann  vermindert  werde.  Am  3.  Juli  1778
eröffnete  Friedrich  II.  den  Krieg.  Zu  dem  unter  Anführung
des  Prinzen  Heinrich  (Bruder  Friedrichs  II.)  durch  Sachsen
ziehenden  preußischen  Heere  stießen  22,000  Sachsen.  Der
österreichische  General  Laudon,  welcher  seit  einiger  Zeit  an
der  sächsischen  Gränze  stand  und  von  da  einzelne  Streifzüge
nach  Sachsen  hinein  unternehmen  ließ,  die  nicht  ohne  Plöünderung
  und  Gewaltthätigkeiten  abliesen,  suchte  das  preußische
  Heer  von  Böhmen  abzuhalten.  Dennoch  umging  Heinrich
  eines  dieser  vorgeschobenen  bsterreichischen  Streifcorps,
welches  zum  groößten  Theile  gefangen  ward,  und  drang  in
den  Leitmeritzer  Kreis  ein,  wurde  aber  durch  Laudon's  Stellung
  in  seinem  Anschlage  auf  Prag  gehindert.  Dafür  gelang
  ihm  jedoch  die  Vereinigung  mit  seinem  Bruder,  der  von
Schlesien  her  nach  Böhmen  einbrach.  Der  Kaiser  Joseph  II.
lag  bei  Jaromitz  hinter  der  Elbe  mit  dem  österreichischen
Hauptheere  in  einem  fest  verschanzten  und  fast  unangreifbaren
  Lager.  Der  erste  Feldzug  im  Sommer  1778  blieb  demnach
  ohne  Schlacht,  und  den  Winter  beschäftigten  wiederholte
  diplomatische  Verhandlungen.  Maria  Theresia  wünschte
Frieden,  zumal  ihr  Bundesgenosse,  Frankreich,  ihr,  als  dem

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