Friedrich  August  III.  455

verpfändeten  Landeseinkünfte  und  cedirten  Steuerscheine  völlig
  an  Sachsen  zurückkamen.

Am  29.  November  1780  starb  Matia  Theresia,  durch
ihre  Schicksale,  wie  durch  den  kühnen  und  sichern  Geist,  womit
  sie  Herr  derselben  ward,  achtbar  und  denkwürdig.  Ihr
folgte  in  der  Regierung  des  österreichischen  Ländervereins,  ihr
berühmter  Sohn,  Joseph  II.,  grôößer  noch  durch  das,  was
er  entworfen  und  gewollt,  als  durch  das,  was  ihm  gelungen.
  Sein  kühner  Geist  wollte  nicht  nur  alle  Pulse  des
innern  Staatslebens  beflügeln,  welche  sein  feuriges  Gemüth
freilich  mehr  zur  Fieberglut,  als  zur  natürlichen  Wärme
brachte  —  sondern  auch  dussere  Erweiterung  und  Abrundung
erzielen.  Die  Erwerbung  Baierns  —  welcher  er  schon  früher
mit  weit  grösserem  Eifer  nachgestrebt  haben  würde,  hätten
nicht  die,  mit  den  zunehmenden  Jahren  immer  friedlicher  sich
gestaltenden  Gesinnungen  seiner  Mutter  ihn  in  diesem  Plane
beschränkt  —  nahm  er,  nachdem  er  durch  ihren  Tod  zu  grdsserer
Willens-Freihoit  gelangt,  mit  um  so  größerer  Vorliebe  wieder
auf,  da  dieser  Plan  seinen  Staaten  die  moglichste  äussere  Abrundung
  und  innere  Gesammtheit  versprach.  Die  im  Utrechter
  und  Badener  Frieden  erworbenen  belgischen  Provinzen
  lagen  dem  innern  Herzen  seiner  Staaten  zu  fern,  als
daß  sie  dem  Abrundungösysteme,  das,  als  fixe  Idee  seiner
Zeit,  auch  ihn  ergrifsen,  hätten  von  besonderm  Werthe  seyn
kôönnen;  daher  hegte  er  den  Wunsch,  dieselben,  mit  Ausnahme
  der  Grafschaft  Namur  und  des  Herzogthums  Luxemburg,
  gegen  Baiern  an  Carl  Theodor  zu  vertauschen,  dem
sodann  die  Würde  eines  Königs  von  Burgund  werden  sollte.
Der  willenlose  Carl  Theodor  war  schnell  für  diesen  Tausch
gewonnen.  Desto  ernsthafter  verweigerte  der  Herzog  von
Zweibrücken,  den  man  bedeutete,  daß,  nachdem  Carl  Theodor
bereits  eingewilligt,  der  Tausch  auch  ohne  seine,  des  Herzogs,
Eimwilligung  vor  sich  gehen  werde.  Da  Jeseph  II.  in  diesem
  Projecte  durch  die  Kaiserin  von  Rußland  unterstützt
wurde,  so  suchte  der  Herzog  von  Zweibrücken  die  Vermittelung
  Friedrichs  II.,  der,  je  mehr  Joseph's  rasche  Neuerungen
  die  Welt  in  Erstaunen,  aber  auch  in  Besorgniß  setzten,