Der  Fuͤrstenbund.  457

starb  am  17.  August  1786,  in  einer  Zeit,  die  seiner  Gegen=  1786
wart  vielleicht  mehr,  als  jede  andere  bedurft  hätte.

Sein  großer  Gegner,  Joseph  II.,  der  ihn  hochgeachtet
und  ihn  zum  Vorbilde  genommen  —  folgte  ihm  nur  zu
schnell  (20.  Februar  1790)  im  Tode,  aber  unter  sehr  verschiedenen
  Verhältnissen.  Friedrich  II.  hatte,  nachdem  der
Krieg  ihn  in  seinem  Besitzthume  behauptet,  dasselbe  durch
Frieden  und  Staatsweisheit  befestigt,  und  eine  heitere  Zukunft
  für  sein  Land,  trat  verklärt  in  den  Todeskampf  des
greisen  Königs.  Joseph  II.,  nicht  an  Geist,  nur  an  practischer
  Erfahrung  ihm  nachstehend,  an  edlem  und  feurigem
Willen  beinahe  unerreicht,  sah  sterbend  alle  seine  goldenen
Träume  und  Hoffnungen  vernichtet.  Er  hatte  ein  Begläcker
der  Menschen  werden  wollen  und  es  nur  darin  versehen,  daß
er,  gleich  dem  Propheten  des  Orients,  seinem  politischen  Glauben
  durch  Gewalt  Bahn  brechen  zu  müssen  glaubte,  weil
seinem  Feuergeiste  die  Geduld  fehlte,  die  freie  und  natürliche
Entwickelung  der  Dinge  abzuwarten.  Waͤre  Joseph  II.  in
der  Ausführung  seiner  Entwürfe  eben  so  tiefblickend  gewesen,
  wie  großtentheils  in  seinen  Entwürfen  selbst,  so
würde  die  Geschichte  keinen  groͤsseren  Fürsten  aufzuweisen  haben,
  als  ihn.  Friedrich  August  bekam  durch  des  großen  Kaisers
  Tod,  das  Reichsvicariat  für  die  Länder  sächsischen  Rechts
in  die  Hände  und  errichtete  demgemáß  zu  Dresden  eine  Reichsvicariatscommission.
  Die  Kaiserwahl  Leopolds  II.  brachte
die  Irrungen  in's  Stocken,  welche  hinsichtlich  der  Grenzen
der  beiden  Reichsvicariate  sich  entspannen.  Aber  der  schnelle
Tod  desselben  Kaisers  (1.  März  1792)  —  dessen  Hintritt  für  1792
Oesterreich  lange  empfindlich  geblieben  wäre,  hätte  er  nicht
einen  Franz  II.  zum  Nachfolger  gehabt  —  brachte  dem  Churfürsten
  von  Sachsen  zum  zweiten  Male  das  Vicariat  zuwege.
Franz  II.  sollte  der  letzte  Kaiser  seyn,  den  Deutschland  sich
(5.  Juli  1792.)  erwählte,  würdig  schloß  sich  mit  ihm
die  ehrwürdige,  alte  Reihe  der  deutschen  Kaiser,  und  je
schmerzlicher  ihn  Deutschland  vermissen  sollte,  desto  freudiger
blühte  unter  seiner  gedeihenden  Hand  Oesterreich  mit  seinen
riesigen  Seitensprossen  empor,  das  durch  ihn  nicht  nur  die