Antrag  der  polnischen  Krone.  465

Churfürst  von  Sachsen  in  Polen  König  seyn  soll.  Die  Dynastie
  der  kuͤnftigen  Koͤnige  von  Polen  wird  also  mit  der
Person  Friedrich  August's,  jetzigen  Churfuͤrsten  von  Sachsen,
ihren  Anfang  nehmen,  dessen  Nachkommen  de  lumbis  männlichen
  Geschlechts  Wir  den  polnischen  Thron  bestimmen.
Der  aͤlteste  Sohn  des  regierenden  Koͤnigs  soll  dem  Vater
auf  dem  Throne  nachfolgen.  Sollte  aber  der  jetzige  Churfürst
  von  Sachsen  keinen  Nachkommen  männlichen  Geschlechts
erhalten;  so  soll  auf  den  Fall  der  vom  Churfürsten,  mit
Genehmigung  der  versammelten  Stände  für  seine  Minzessin
Tochter  gewählte  Gemahl  die  Linie  der  männlichen  Erbfolge
auf  dem  polnischen  Throne  anfangen.  Daher  erklären  Wir
die  Maria  Augusta  Nepomucena,  Prinzessin  Tochter  des
Churfürsten,  zur  Infantin  von  Polen;  behalten  aber  dabei
der  Nation  das  keiner  Präscription  unterworfene  Recht  vor,
nach  Erldschen  des  ersten  Hauses  auf  dem  Throne  ein  anderes
  zu  wählen.  —  Jeder  Konig  wird,  bei  seiner  Thronbesteigung,
  der  Gottheit  und  der  Nation  den  Eid  leisten,  auf
die  Erhaltung  der  gegenwärtigen  Verfassung  und  auf  die
pacta  conventa,  die  mit  dem  jetzigen  Churfürsten  von  Sachsen,
  als  ernanntem  Thronfolger,  werden  abgeschlossen  worden
  seyn  und  die  ihn,  eben  so  sehr,  als  die  alten,  verpflichten
  werden.“

Obschon  sonach  von  Seiten  Polens  Alles  mit  sichtlichem
Eifer  vorbereitet  war  und  der  Fürst  Adam  Czartoryski  bald
nachher  in  Dresden  eintraf,  um  dem  Churfürsten  von  Sachsen
  die  polnische  Krone  anzutragen;  so  begegnete  Friedrich
August  diesem  schmeichelhaften,  ihm  so  leicht  gemachten  Erwerbe,
  dem  seine  Vorfahren  mit  Hast  und  Opfern  nachgejagt
  waren,  mit  lobenswerther  Besonnenheit.  Besonders
machte  es  ihm  Bedenken,  mit  welchen  Augen  der  russische
Hof  diesen  Schritt  ansehen  werde,  und  da  Catharina  IEI.
über  die  Ereignisse  in  Polen  ein  räthselhaftes  Stillschweigen
beobachtete,  so  bat  er  sich  Bedenkzeit  aus.  Er  suchte  diese
Frist  zu  benutzen,  um  durch  seinen  Gesandten  in  Petersburg
  die  Gesinnungen  des  dortigen  Hoses  über  diese  Angelegenheit
  zu  erforschen;  aber  dieser  konnte  von  Catharina

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