466  Antrag  der  polnischen  Krone.

keine  andere  Antwort  erlangen,  als  daß  sie  mit  dem  klugen
Benehmen  des  Churfuͤrsten  vollkommen  einverstanden  sey.
Seine  Vorsicht  hatte  ihn  sehr  richtig  geleitet;  denn  kaum
hatte  Catharina  durch  den  (9.  Januar  1792.)  zu  Jassy  mit
der  Pforte  abgeschlossenen  Frieden  die  Hände  wieder  frei,  als
sie  die  von  Oesterreich  und  Preußen  ihr  gemachten  Anträge
—  dem  von  ihnen  rücksichtlich  Polens  eingegangenen  Vertrage
  beizutreten,  demgemäß  der  Churfürst  von  Sachsen  den
polnischen  Thron  besteigen  sollte  —  ablehnte.  Preußen  —
einen  Bruch  mit  Rußland  fürchtend  —  suchte  sich  nunmehr
auch  seinen  mit  Polen  eingegangenen  Verpflichtungen,  nach
welchen  es  Letzteres  gegen  den  Angriff  Rußlands  hätte  beschützen
  müssen,  wohl  oder  übel  zu  entziehen.  Polens  Mißgeschick
  wollte  es  meist  immer,  daß  es  hartnäckige  Feinde,
aber  minder  feste  Bundesgenossen  haben  sollte.  Da  die
neue  Verfassung,  zufolge  ihrer  zweckmäßigen  Verbesserungen,
unter  denen  immer  gewisse  verjährte  Prätensionen  zu  leiden
pflegen,  auch  in  Polen  selbst  ihre  Gegner  hatte,  so  wurde
von  zwolf,  mit  jener  neuen  Ordnung  der  Dinge  unzufriedenen
  Polen  der  sogenannte  Targowiczer  Bund  gebildet,  welchem
  Catharina  ihren  Schutz  zusagte  und  dem,  um  seiner
Goͤnnerin  nicht  zu  mißfallen,  auch  der  wankende  König  Stanislaus
  Augustus  beitrat.  Unter  diesen  Umständen  that
Friedrich  August  das  Zweckmäßigste,  d.  h.  er  lehnte  den  Antrag
  ab.  Polens  innere  Zerspaltung  rächte  sich  furchtbar  an
ihm,  und  gab  es  nicht  nur  mehr  als  je  fremdem  Einflusse
hin,  sondern  vollendete  seine  politische  Vernichtung.  Die
Gründer  der  neuen  Verfassung  entflohen  in's  Ausland;  im
Maͤrz  1793  ward  von  Rußland  und  Preußen  die  zweite
Theilung  Polens  vorgenommen,  welcher  im  Jahr  1795
die  dritte  und  letzte  Theilung  des  ungläcklichen  Landes
sich  anschloß  und  dasselbe  aus  der  Reihe  der  europälschen
Mächte  verschwinden  ließ.  In  Warschau  befand  sich,  als
diese  Stadt,  zufolge  der  dritten  Theilung,  an  Preußen  kam,
der  von  den  sechsisch  -polnischen  Königen  erbaute  Pallast,
welchen  Preußen  für  den  Preis  von  70,000  Ducaten  an  sich
kaufte.  Die  ebenfalls  daselbst  befindliche  sächsische  Porzel-