1797

472  Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.

dan  nach  Franken  und  nach  Baiern  vor.  Erschreckt  durch  die
plötzliche  Nähe  eines  kühnen  und  kraftvollen  Feindes,  eilten
mehrere  der  bedeutendsten  Reichsstände,  den  ihnen  dictirten
Frieden  anzunehmen.  Glücklicher  und  besonnener  zog  sich
Friedrich  August  aus  der  drohenden  Gefahr;  ohne  alle  Opfer
oder  erniedrigende  Bedingungen  schloß  er  am  13.  August
1796  zu  Erlangen,  mit  der  franzdsischen  Republik  einen
Waffenstillstands  =  und  Neutralitätsvertrag,  und  ließ  sein
Contingent,  welches  nunmehr  den  nach  dem  Breisgau  sich
wendenden  Oesterreichern  nicht  folgen  durfte,  an  der  südlichen
  Gränze  des  obersächsischen  Kreises  sich  aufstellen.  Es
mochte  freilich  dem,  einigermaßen  an  legitimen  Formen  hängenden
  Churfürsten  einen  gewissen  moralischen  Anstoß  gegeben
  haben,  daß  er  durch  diesen  Vertrag  eine  Republik,
welche  durch  Volkswillkühr  und  Königsmord  dazu  geworden
war,  factisch  anerkennen  mußte.  Bonaparte's  reißender
Siegeslauf  und  seine  drohende  Bewegung  von  Italien  gegen
Oesterreichs  Hauptstadt,  machte  dem  Kampfe  ein  Ende.  Am
17.  October  1797  schloß  Oesterreich  mit  der  Republik  Frankreich
  den  Frieden  von  Campo  Formio,  welcher  zugleich  die
Eröôffnung  eines  Congresses  zu  Rastadt  bestimmte,  um  daselbst
  den  Frieden  zwischen  Frankreich  und  dem  deutschen
Reiche  zu  verhandeln.  Auch  der  Churfürst  von  Sachsen  war
zum  Mitgliede  der  nach  Rastadt  ernannten  Reschsdeputation
gewählt  worden  und,  bei  seinem  redlichen  Wunsche  nach
Frieden,  versäumte  er  nicht,  seiner  dahin  beorderten  Gesandtschaft
  den  gemessensten  Auftrag  —  daß  sie  zur  Erhaltung
  der  Selbsiständigkeit  des  deutschen  Reichs  nachdruckvoll
hinwirken  möge  —  zu  ertheilen.

Daß  diese  Bemühungen  nicht  den  von  Friedrich  August
gewünschten  Erfolg  haben  würden,  ließ  sich  voraussehen.
Oesterreich's  eiserne  Standhaftigkeit  erlaubte  ihm  nicht,  den
Uebermuth  der  französischen  Republik  so  fruͤhzeitig  triumphiren
  und  deren  verderbliche  Anschläge  gegen  Deutschlands
Unabhängigkeit  so  schnell  zur  Reife  kommen  zu  lassen.  Der
Riesenkampf,  den  es,  wiederholtermaßen  aufgegeben  von
seinem  eignen  Schützlinge,  für  Deutschland  auszuführen  ent-