Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.  473

schlossen  war,  sollte  beginnen;  der  Rastadter  Congreß  ging
blutig  zu  Ende.  Oesterreich  und  Frankreich  traten  auf's
neue  gegen  einander  in  die  Schranken.  ODeutschland  ahnete
wohl  noch  nicht,  welche  bittere  Früchte  ihm  seine  Unentschlossenheit
  und  seine  Untha#tigkeit  bringen  sollte.  Es  ließ
Oesterreich  allein  in  den  Todeskampf  ziehen;  das  ganze  nördliche
  Deutschland,  mit  ihm  auch  Chursachsen,  verhielt  sich
neutral.  Oesterreichs  ruhmvolles  Unglück  zog  (9.  Februar
1801)  den  Frieden  von  Löncville  nach  sich;  Frankreich  riß  1801
das  linke  Rheinufer  zu  sich  hinüber.  Zu  Leitung  des  davon
bedingten  Säcularisationsgeschäftes  wurde  eine  abermalige
Reichsdeputation  errichtet,  zu  deren  Mitgliede  auch  jetzt  Friedrich
  August  erwählt  wurde.  Er  suchte  bei  diesem  schwierigen
  Geschäfte  mit  möglichster  Gewissenhaftigkeit  und  Schonung
  zu  Werke  gehen  und  die  Vertheilung  der  Entschädigungsmasse
  mit  strenger  Unpartheilichkeit  zu  bewerkstelligen.
Aber  seine  Rechtlichkeit  und  Mäßigung  fand  nicht  allenthalben
  den  gewünschten  Anklang  und  so  wurde  bei  dieser  Zutheilung
  —  ein  Gegenstand,  der  nicht  näher  hieher  gehoͤrt
—  mancher  Willkühr  und  manchem  habgierigen  Gelsten
Lauf  gelassen,  was  dem  strengen  Rechtsgefühle  des  biedern
Churfürsten,  der  obendrein  jeder  nur  einigermaßen  ungleichmäßigen
  Neuerung  abhold  war,  schmerzlich  werden  mochte.
Am  18.  Mai  1804  erstieg  der  Mann  des  Schicksales,  1801
Napoleon  Bonaparte,  den  höochsten  Gipfel  seines  zauberhaften
  Glückes,  indem  das  bewundernde  Frankreich  ihn  zu  seinem
  Kaiser  erhob.  Friedrich  August  —  damals  noch  von
dem  glücklichen  Geiste  geleitet,  der  ihn  jede  zu  selbstständige
politische  Stellung  fliehen  hieß  —  begnügte  sich  damit,  Napoleon's
  Kaisertitel  anzuerkennen,  ohne  jedoch  eine  innigere  Anndherung
  an  jenes  Gestirn  zu  suchen,  das,  Feuer  und  Glanznicht
aus  sich  selbst  erzeugend,  sondern  fremden  Quellen  entschdpfend,
  durch  zu  große  Nähe  nur  verderblich  zu  werden  drohte.
Im  nämlichen  Jahre  erkannte  der  Churfürst  von  Sachsen
auch  die  Würde  eines  Erbkaisers  von  Oesterreich  (Franz  I.)  an.
Napoleon's  immer  unüberwindlicher  sich  gestaltende
Macht,  verbunden  mit  seinem  offenbaren  Hange  zu  stets  er-