474  Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.

neuten  Eroberungen,  wie  zu  politischer  Trübfischerei,  erregten
  den  deutschen  und  europäischen  Mächten  ernsthafte  und
gerechte  Besorgnisse.  Schon  hatte  er  sich  die  eiserne  Krone
der  Lombardei  auf  die  stolze  Stirn  gesetzt,  die  Einverleibung
Genua's  mit  Frankreich  ausgesprochen  und  sich  über  ganz
Italien  die  hochste  schiedsrichterliche  Gewalt  angemast.  Bald
sollte  auch  Deutschland  dieselbe  empfinden.  England,  mit
aller  Großartigkeit  seiner  innern,  und  aller  Kleinlichkeit  seiner
dussern  Politik,  hatte,  hinter  seine  Wellendamme  versteckt,
an's  Schwert  gegriffen,  um  Andere  zum  Kampfe  gegen
Frankreich  aufzumuntern  und  sie  dann  nach  seiner  Weise  im
Stiche  zu  lassen.  Die  Besetzung  Hannovers  durch  franzeèsische
  Truppen  war  die  Folge  davon.  Zum  Glück  für  Deutschland
  hatte  England  rechtlichere  Bundesgenofsen,  als  es  meist
verdiente.  Es  gelang  dem  rastlos  gegen  Frankreich  wirkenden
  Pitt,  eine  Coalition  zu  Stande  zu  bringen,  deren  Verfechter
  das,  nach  so  großen  Unfallen  noch  immer  kampfmuthige
  Oesterreich  war.  Rußland  und  Schweden  nahmen  an
dieser  Verbindung  Theil;  dagegen  war  Preußen  nicht
aus  seiner  Karen  Neutralität,  die  es  festhielt,  herauszubringen.
  Es  glaubte  nur  auf  diese  Weise  die  Ruhe  des
nördlichen  Deutschlands  zu  sichern  und,  um  dieser  seiner
Stellung  den  nöthigen  bewaffneten  Nachdruck  zu  geben,
rüstete  es  sich  mit  Macht.  Da  sein  Einfluß  in  Norddeutschland
  der  bei  weitem  vorherrschende  war  und  das  System
  der  Neutralität  zugleich  so  ganz  in  den  Grundsätzen  des
Churfürsten  von  Sachsen  lag,  so  war  dieser,  auf  die  datüber
  ihm  gemachten  Erdffnungen  des  preußischen  Hofes,  zu
einem  d  hnlichen  Verhalten  sehr  geneigt  und  ließ  deshalb
durch  seinen  Gesandten,  den  Grafen  von  Görz,  dem  Berliner
  Hofe  (19.  Septbr.  1805)  erklären:  „daß  er  an  dem
Neutralitätssysteme  des  deutschen  Nordens  Theil  zu  nehmen
bereit  sey,  daß  er  aber  zuvor,  wegen  des  von  ihm  aufzustellenden
  Heerestheiles,  theils  den  Umfang,  welchen  Preußen
  dieser  Neutralität  geben  wolle,  theils  die  darin  begrifsenen
  Staaten,  theils  die  dem  sächsischen  Heerestheile  zu
gebende  Bestimmung  kennen  zu  lernen  wünsche.“  Der