Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.  475

preußische  Minister  von  Hardenberg  erwiederte  darauf:  „daß
der  Koͤnig  sein  ganzes  Heer  auf  den  Kriegsfuß  setzen  werde,
daß  Churhessen  seinen  Beitritt  bereits  erklaͤrt  habe,  daß  aber
die  Bestimmung  des  saͤchsischen  Heerestheiles  noch  nicht  naͤ-her
  bezeichnet  werden,  sondern  nur  von  Umstaͤnden  abhaͤngen
  koͤnne.“  Preußen  hatte  Ursache,  seiner  Neutralität  ein
bewaffnetes  Gewicht  zu  geben,  da  Rußland,  nachdem  es
vergeblich  die  Erlaubniß  zum  Durchzuge  seiner  Heere  durch
die  preußischen  Provinzen  nachgesucht  hatte,  diesen  Durchzug
  zu  erzwingen  Miene  machte.  Dänemark  wagte  es  nicht,
eine  nähere  Verbindung  mit  Preußen  einzugehen,  und  die
letztere  Macht,  deren  anfängliche  Vorsichtsmaßregeln  wohl
nur  gegen  Rußland  gerichtet  waren,  wurde  mit  ihrer  Besorgniß
  nach  einer  andern  Seite  hingerichtet,  als  das  franzdsische
  Heer  ohne  weitere  Anfrage  in  das  neutrale  Anspachische
  Gebiet  einfiel  und  dort  den  Durchzug  bewerkstelligten.
  Dies  brachte  in  den  Gesinnungen  des  Berliner  Cabinetes
  eine  große  Veränderung  hervor.  Am  11.  October  verlangte
  Preußen  den  freien  Durchzug  zweier  Heerestheile
durch  Sachsen  nach  Franken,  welchen  Friedrich  August  auch
bewilligte,  und  am  17.  October  erklärte  der  preußische  Gesandte
  zu  Dresden:  „Die  Franzosen  hätten  durch  ihren
Durchzug  durch  die  Fürstenthümer,  die  Neutralität  des  Konigs
  auf  eine  böffentliche  und  empfindliche  Weise  verletzt;  es
müßten  daher  schleunige  Mittel  ergriffen  werden,  um  gegen
ein  ähnliches  Unternehmen  sich  zu  sichern.  Der  Konig  wolle
daher  seinen  Mitständen  zu  Hilfe  kommen  und  mit  dem
Churfürsten  von  Sachsen  über  die  gemeinschaftliche  Sache
eine  feste  Uebereinkunft  treffen.  Er  lade  daher  den  Churfürsten
  ein,  sogleich  20,000  Mann  auf  den  Kriegsfuß  zu  setzen
  und  sie  zwischen  Freiberg  und  Zeitz  cantonniren  zu  lassen.
  Der  Konig  aber  werde  in  dem  Fürstenthume  Bayreuth
ein  Corps  von  36  Bataillonen  und  55  Escadronen  mit  der
noͤthigen  Artillerie  aufstellen,  die  zum  Theile  durch  Sachsen
ziehen  sollten.  Er  erwarte  daher  von  der  Freundschaft  des
Churfürsten  die  nöthigen  Befehle  zur  Aufnahme  und  guten
Behandlung  dieser  Truppen.“  —  Diese  Note  wurde  am  20.