476  Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.

Octbr.  von  Sachsen  dahin  beantwortet:  „daß  der  Churfürst,
  überzeugt  von  der  Nothwendigkeit,  die  Neutralität  zu
behaupten,  bereits  seine  Mitwirkung  an  den  zu  ergreifenden
Maßregeln  zugesichert  und  deshalb  befohlen  habe,  von  seinem
  Heere  4  Schwadronen  Husaren,  16  Schwadronen  Reiterei,
  4  Bataillone  Grenadiere,  14  Bataillone  Fußvolk,  mit
4  Batterieen,  jede  zu  8  Stück,  auf  den  Kriegsfuß  zu  setzen.
In  Hinsicht  der  übrigen  Verständigungen  erwarte  er  die  noͤ—
thigen  Aufklarungen.“

Der  schwere  Unfall,  den  die  Oesterreicher  bei  Ulm  (14.
Octbr.)  erlitten,  gab  den  Begebenheiten  ein  gewaltsam  veraͤndertes
  Ansehen.  Noch  aber  hatte  Napoleon  die  Russen
zu  bezwingen,  die  —  freilich  zu  spät  für  ihre  Bundesgenossen
  —  gegen  das  Lauenburgische  vordrangen.  Oesterreich
und  Großbritannien  gaben  sich  alle  mögliche  Mühe,  Preußen
zu  einem  Beitritte  zu  vermodgen.  Aber  noch  immer  konnte
sich  diese  Macht  von  ihrem,  während  des  ganzen  bisherigen
franzôsischen  Eroberungskrieges  beibehaltenen  Systeme  nicht
losreißen,  und  erst  als  Kaiser  Alexander  von  Rußland
mit  seiner  einnehmenden  Ueberredungsgabe  selbst  nach  Berlin
  kam,  wurde  am  3.  November  zwischen  Rußland  und
Preußen  der  geheime  Vertrag  zu  Potsdam  unterzeichnet,  nach
welchem,  wie  anfangs  verlautete,  Preußen,  als  vermittelnde
Macht,  auf  Erfüllung  der  Bedingungen  des  Lüneviller  Friedens
  bestehen,  und,  im  Falle  Frankreich  sich  nicht  dazu  verstände,
  mit  Rußland  gemeinschaftlich  einen  neuen  Kampf
gegen  Frankreich  erffnen  sollte.  Die  nähern  Bestimmungen
  dieses  Vertrags  waren:  1)  Der  König  von  Preußen
übernimmt  die  bewaffnete  Vermittelung.  2)  Der  Vertrag
von  Lüneville  bleibt  unverändert  2c.  3)  Sendung  eines  vertrauten
  Unterhändlers  an  Napoleon  mit  diesen  Anträgen.
4)  Rußland  will  zufrieden  seyn,  wenn  Napoleon  diese  Bedingungen
  annimmt,  und  den  Kaiser  von  Frankreich  und  den
König  der  Lombardei  anerkennen.  5)  Waffenstillstand,  sogleich
  nach  Annahme  der  Bedingungen;  Position  der  verschiedenen
  Heere  bis  zum  Definitiofrieden.  6)  Der  Zweck
ist:  Europa  ein  neues  System  zu  geben;  daher  nöthiges