478  Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.

lichen  Deutschlands  bezweckende  Stellung  geben  werde  —
wurde  am  15.  Decbr.  vom  Churfuͤrsten  dahin  beantwortet:
„daß  er  den  Grundsatz  der  Neutralität  in  allen  Faͤllen  festhalte,
  wo  es  nicht  auf  die  Sicherheit  seiner  Staaten  und
auf  die  Erfuͤllung  seiner  reichsstaͤndischen  Pflichten  ankomme;
daß  er  sich  daher  nach  Kraͤften  zur  Theilnahme  an  der  Beschuͤtzung
  der  Neutralitaͤt  und  Sicherheit  theils  der  eigenen,
theils  anderer  Staaten  und  des  noͤrdlichen  Deutschlands  bereit
  erklaͤre.  Sollten  aber  die  Bemuͤhungen  des  Koͤnigs  zur
Erhaltung  des  Friedens  keinen  Erfolg  haben,  und  des  Churfürsten
  Neutralitaͤtssystem  nicht  länger  behauptet  werden  können,
  sondern  dazu  ernstlichere  und  ausgedehntere  Maßregeln
erfordert  werden;  so  wünsche  der  Churfürst,  ohne  Theilnahme
an  fremdem  Interesse,  mit  dem  Koͤnige  in  nähere,  vertrauliche
  Mittheilungen  zu  treten;“  und  in  Hinsicht  des  Potsdamer
  Vertrages  ward  dem  preußischen  Minister  von  Hardenberg
  die  Erdffnung  gemacht:  „der  Churförst  finde  in  diesem
  Vertrage  viele  Stipulationen,  die  seinem  und  Deutschlands
  Interesse  fremd  wären;  es  stehe  also  nicht  in  seiner
Macht,  dem  Vertrage  beizutreten.“

Die  Vortheile,  welche  Napoleon  gegen  die  Oesterreicher
erkämpfte,  trieben  die  preußischen  Entschlüsse  wieder  zurück;
Ende  Decembers  eröffnete  der  König  dem  Churfürsten,  daß
er  seh  auf  die  Behauptung  der  Neutralität  des  nördlichen
Deutschlands  beschränke,  und  der  Churfürst  konnte  nach  seiner
  Eigenthümlichkeit  hierbei  wohl  schwerlich  etwas  Passenderes
  antworten,  als:  „er  stimme  mit  diesen  Gesinnungen  völlig
  überein  und  erwarte  die  nädheren  Mittheilungen  darüber.“
—  Preußen  hatte  mit  seinen  entscheidenden  Schritten  so
lange  gezögert,  bis  Napoleon  durch  seine  Siege  eine  Stellung
  angenommen  hatte,  in  welcher  er  weit  geneigter  war,
Bedingungen  vorzuschreiben,  als  sich  vorschreiben  zu  lassen.
Haugwitz  kam  mit  den  übermüthigen  Vorschlägen  Napoleon's
nach  Berlin  zurück  und  glaubte  noch  Wunder  wie  gut  er
seine  Sache  gemacht  habe,  während  Preußen  über  diese  entehrenden
  Vorschläge  —  die  eigentlich  schon  nicht  mehr  Vorschläge,
  sondern  Vorschriften  waren  —  zürnte.  Verwundert,