Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.  487

deutschen  Kaisertitel  annehmen  wolle,  vielmehr  behaupte  man
in  Wien,  es  bestehe  eine  Acte,  worin  er  sich  verbindlich  gemacht
  habe,  den  deutschen  Kaisertitel  nicht  anzunchmen.“
Bei  all'  der  lobenswerthen  Vorsicht,  welche  der  Churfürst  in
dieser,  unter  den  obwaltenden  Umständen  allerdings  nicht
unbedenklichen  Angelegenheit  übte,  zeigen  sich  doch  seine  Maaßregeln
  etwas  zu  sehr  im  Lichte  der  Halbheit.  Preußen  benahm
  sich  in  dieser  Sache  sehr  nachgiebig,  und,  obschon  es,
bei  der  immer  drohendern  Stellung  Frankreichs,  den  Wunsch
des  Churfürsten  —  daß  es  die  Truppenbewegungen  doch  so
lange  als  möglich  aussetzen  möchte,  um  Frankreich  keinen
Argwohn  zu  geben  —  nicht  erfüllen  durfte,  so  erklärte  es
dafür:  „der  Koͤnig  werde  den  Kaisertitel  nur  auf  Antrag
von  Sachsen  und  Hessen  annehmen.“  Dagegen  war  Preußen
  mit  dem,  von  sächsischer  Seite  mitgetheilten  Gegenentwurfe
  zu  einem  norddeutschen  Bunde,  besonders  wegen  des
Vorbehalts  der  Garantie  von  Hannover,  nicht  zufrieden.
Preußens  censthafte  kriegerische  Maßregeln  bestimmten  den
Churfürsten,  das  sächsische  Heer  auf  den  Kriegsstand  zu
setzen;  zugleich  ließ  er  aber  auch  das  französische  Cabinet
über  seine  friedlichen  Absichten,  und  seine  blos  der  Vertheidigung
  geltenden  Schritte  aufklären,  und  man  schien  von
franzosischer  Seite  seine  Stellung,  wie  sie  auch  kommen
moͤge,  zu  ignoriren.  Gegen  das  von  Preußen  beabsichtigte
Vorrücken  der  Truppen  über  die  Gränze  mußte  der  Churfürst
sich  erklären,  indem  dies  seine  erklärte  Devensive  überschritten
  und  ihn  zum  angreifenden  Theile  gemacht  haben  würde.
Preußen  beschwerte  sich  über  die  vom  Churfürsten  verzögerte
Abschliessung  des  Allianztractates;  dieser  genehmigte  am  20.
September  den  Entwurf  zu  einer  Militairconvention  mit
Preußen,  ließ  aber  zugleich  durch  seinen  Gesandten  zu  Paris
  erklären:  „daß  der  Churfürst  bei  seinem  Defensivsysteme
beharre;  daß  er  zwar  einen  Theil  seiner  Truppen  zu  dem
preussischen  Heere  habe  stoßen  lassen,  aber  nur  unter  der
Bedingung,  die  sächsische  Gränze  nicht  zu  überschreiten,  und
sich  von  ihm  zu  trennen,  wenn  es  offensiv  gegen  Frankreich
verfahren  solltc.“  Obschon  nach  dem  Einräcken  der  preussischen