Sachsens  Stellung  gegen  Frankreich.  489

reich  der  Bildung  eines  norddeutschen  Bundes,  der  alle  in
der  Fundamentacte  des  Rheinbundes  nicht  ausdrücklich  genannte
  Reichsstände  umfasse,  in  keiner  Art  hinderlich  iseyn,
die  drei  Abteien  zurückgeben  und  Wesel  nicht  mit  dem  dlrecten
  Reiche  vereinigen  sollte  —  gab  dem  Schwanken
der  gegenseitigen  Stellungen  den  Ausschlag.  Napoleon  antwortete
  durch  nichts,  als  durch  vermehrte  Rüstungen.  Da
seine  Ueberlegenheit  meist  in  der  schlauen  und  furchtbar  schnellen
  Benutzung  der  Fehler  seiner  Gegner  bestand,  so  wäre
auf  preussischer  Seite  wohl  eine  noch  gröfsere  Planmäsigkeit
und  Abgeschlossenheit  der  Operationen  wünschenswerth  gewesen.
  Der  Mangel  daran  und  besonders  einer  innern
Einheit  der  Bewegungen,  die  von  dem,  auch  geistig  zum
Greise  gewordenen  72  jährigen  Oberfeldherrn,  dem  Herzoge
Ferdinand  von  Braunschweig,  freilich  nicht  mehr  zu  erwarten
  stand,  mußte  die  Hoffnungen  für  die  preussische  Sache,
troß  des  hohen  Muthes  ihrer  Verfechter,  bedeutend  herabstimmen.
  Gleich  der  Anfang  sollte  diese  niederschlagenden
Erwartungen  nur  zu  sehr  rechtfertigen.  Am  8.  October
warf  der  Großherzog  von  Berg  die  schwache  preussische  Vorpostenkette
  über  die  Saale  zurück.  Am  folgenden  Tage  mußte
der  preussische  General  Tauenzien,  von  den  Franzosen  umgangen,
  sich,  mit  Verlust  der  Magazine  von  Hof,  zurückziehen.
  Ein  grösseres  Unglück  war  dem  10.  October  vorbehalten;
  der  Vortrab  des  Hohenloheschen  Corps,  aus  Preussen
  und  Sachsen  bestehend,  wurde  bei  Saalfeld  von  der
beinahe  vierfach  groͤssern  lebermacht  der  Franzosen  angegriffen
  und  nach  verzweifeltem  Widerstande  schwer  geschlagen.
Der  Anführer,  Prinz  Ludwig  von  Preußen,  zog  den  Tod
der  Gefangenschaft  vor;  zwei  seiner  Tapfern  ließen  sich  auf
seinem  Leichname  tddten.  Das  preussische  Heer  war  voͤllig
umgangen.  Der  14.  October  vollendete  durch  die  Doppelschlacht
  bei  Auerstädt  und  bei  Jena  Preußens  Verderben.
Gegen  6000  Sachsen  fielen  auf  einmal  in  die  Hände  der
Franzosen;  Napoleon  unterhielt  sich  am  15.  Octbr.  zu  Jena
sehr  gürig  mit  den  122  gefangenen  süchsischen  Offizieren  und
entließ  sie  gegen  ihr  Ehrenwort,  nicht  wieder  gegen  Frank-