492  Sachsens  Neutralitaͤt.

lische  Waaren  und  Gelder,  so  wie  alle  Magazin=  und  Pulver-Worräthe
  mit  Beschlag,  und  legten  der  Stadt  große
Zahlungen  und  Lieferungen  in  Tuch  auf.  Dresden  wurde
schonender  behandelt;  es  wurden  zwar  alle  Posten,  mit
Ausnahme  des  Schlosses,  von  bairischen  Truppen  besetzt,
doch  blieben  hier,  wie  überhaupt  im  ganzen  Lande,  sämmtliche
  vaterländische  Behèrden  in  ihrer  vollen  Wirksamkeit.
Das  Gouvernement  der  Stadt  übernahm  der  franzdsische
Kammerherr  und  Oberstlieutenant  Thiard.  Dem  Lande  überhaupt
  wurde  von  Napoleon  eine  Contribution  von  25  Millionen
  Franken  (7,053,358  Thaler)  aufgelegt,  wovon  der
Churfürst  edelmüthig  ein  Drittheil  selbst  übernahm,  so  wie
er  überhaupt  dem  Lande  das  Drückende  der  Kricgsabgaben
durch  Vorschüsse  aus  seinen  eignen  Cassen  und  durch  Naturallieferungen
  von  seinen  Kammergütern  zu  mildern  suchte.
Zu  Erhebung  der  Regquisitionen  wurden  in  den  Städten
Dresden,  Leipzig,  Wittenberg  und  Naumburg  —  als  Mittelpuncten
  der  von  der  obersten  französischen  Kriegsbehoͤrde
bestimmten  vier  Kreise  —  französische  Intendanten  angestellt.


Die  Neuerungen,  welche  diese  Ereignisse  in  das  innere
Getriebe  des  politischen  Systems  brachten,  hatten  die  Entlassung
  der  beiden  Cabinetsminister,  von  Loß  und  von  Low,
zur  Folge.  Napoleon  hatte  schon  zu  Wittenberg  auf  des
Churfürsten  Empfang  gerechnet  und  seine  Empfindlichkeit  darüber,
  daß  dies  nicht  geschehen,  mußte  vielleicht  der  nach
Berlin  geschickte  sächsische  Gesandte,  Graf  Bose,  einigermassen
  entgelten,  dem  man  dort  von  französischer  Seite  mehrere
Schwierigkeiten  machte,  so  daß  die  von  ihm  angeknäpften
Friedensunterhandlungen  sich  gar  keinem  entscheidenden  Ziele
nähern  wollten.  In  dieser  Hinsicht  entschloß  sich  der  Churfürst,
  in  Person  nach  Berlin  zu  Napoleon  zu  reisen  und  denselben
  mündlich  zu  sprechen.  Doch  kam  der  Churfürst  erst
in  Berlin  an,  nachdem  der  rastlose  Napoleon  diese  Stadt
oerlassen,  und,  wegen  des  Vordringens  der  Russen  nach  der
Weichsel,  sich  nach  Posen  begeben  hatte.  Hier  wurde  am
11.  December  1806  von  dem  französischen  Marschall  Duroc