Buͤndniß  mit  Frankreich.  499

sicht  nachgiebig,  schonend,  ja  sogar  großmuͤthig  zeigte;  so
verlaͤugnete  er  gegen  Preußen  großentheils  diese  Schonung.
Ein  geheimer  Haß  erfuͤllte  ihn  gegen  diese  Macht  oder  deren
Regierung,  und  so  erlaubte  er  sich,  selbst  nachdem  er  denselben
  völlig  niedergeworfen  und  vernichtet  hatte,  noch  immer
Streiche  gegen  den  schon  Sterbenden  zu  führen.  Indem  er
das  überwundene,  so  schwer  geschlagene  Land  immer  durch
neue  Forderungen  ängstigte  und  erschdpfte,  ließ  er  ihm  nicht
cinmal  Zeit,  sich  zu  verbluten.  Obgleich  der  König  von
Sachsen,  soweit  er  hierbei  betheiligt  war,  mit  großer  Schonung
  und  Leutseligkeit  versuhr,  so  gewann  er  doch,  bei  seiner
  innigen  Verbindung  mit  Napolcon,  in  vieler  Hinsicht
den  Schein,  als  theile  er  dessen  Härte  gegen  Preußen.
Napoleon's  neue  Gewaltstreiche,  besonders  gegen  Spanien
  und  Portugal,  die  bei  glücklichem  Erfolge  leicht  eine
gefährliche  Nückwirkung  auf  Deutschland  haben  konnten,
machten  hier  eine  nachdruckvolle  Aufmerksamkeit  ndthig,  und
Oesierreich,  dem  in  der  ganzen  Napoleon'schen  Zwangsperiode
der  Ruhm  von  Deutschlands  treuem  Eckard  gebührt,  fand  es
daher,  ohne  seinerseits  die  Veranlassung  eines  Bruches  des
bestehenden  guten  Vernehmens  mit  Frankreich  zu  beabsichtigen,
  für  nothwendig,  durch  starke  Rüstungen  und  Armeeverstärkungen,
  sich  gegen  die  drohende  Gefahr  in  Vertheidigungsstand
  zu  setzen.  Diese  zweckmäßige  Vorsicht  Oesterreichs
erregte  Napolcon's  ernsthafte  Aufmerksamkeit  so  sehr,  daß
auf  seine  Veranlassung  im  Sommer  1808  ein  sachsisches  180
Corps  von  13,400  Mann  zwei  Lager  zwischen  Pirna  und
Budissin  bezsehen  mußten.  Doch  kehrten  die  Sachsen  in
ihre  Standquartiere  zurück,  als  zu  Erfurt  im  September
und  October  Napoleon  sich  mit  dem  Kaiser  von  Raßland
und  den  meisten  Fürsten  des  Rheinbundes  auf  einen  Fuß
gesetzt  hatte,  der  ihm  fuͤr  den  Fall  eines  ausbrechenden  Krieges
  mit  Oesterreich,  die  gewuͤnschten  Mittel  an  die  Hand
zu  geben  versprach.  Der  vorausgesehene  Kampf  wurde  nur
verzoͤgert,  nicht  aufgehoben.  Die  Unzufriedenheit,  welche  sich
in  einzelnen  Theilen  Deutschlands  gegen  Napoleon  regte,
war,  obschon  einzelne  kühne  Männer,  wie  z.  B.  der  Herzog
32#