Büändniß  mit  Frankreich.  501

haͤufigen  Genuß  des  schweren,  blutverdickenden  Ungarweins)
starke  Verluste  erlitten.  Sachsen  selbst  blieb,  trotz  der  Entfernung
  des  eigentlichen  Kriegsschauplatzes,  dennoch  nicht  von
den  Drangsalen  des  Krieges  verschont.  Der  kuͤhne  Herzog  von
Braunschweig-Oels  hatte,  unterstützt  von  englischen  Subsidien,
  in  Boͤhmen  ein  Haͤuflein  tapferer  Maͤnner  um  sich
gesammelt.  In  Verbindung  mit  zwei  oͤsterreichischen  Hcerestheilen,
  drang  er  gegen  Norddeutschland  vor,  um  seine
von  Napoleon  ihm  vorenthaltenen  Erblande  mit  gewaffneter
Hand  zu  erobern,  warb  in  Leipzig  und  Dresden  Truppen,
erzwang  sich  Lieferungen  und  schlug  sich  mit  einer  Handroll
Helden  glücklich  bis  nach  Elsfleth  durch,  wo  er  sich  nach
England  einschiffte.  Schneller,  als  er  —  dem  es  beschieden
  war,  noch  den  gcoßen  Befreiungskampf  gegen  Napoleon
mitzuschlagen  —  war  der  emmthige  Parteigänger  Schill  von
der  Bühne  getreten,  der  (31.  Mai)  zu  Stralsund  im  ungleichen
  Kampfe  fiel.  Deutschland  verstand  damals  seine
Heldengeister  noch  nicht;  sonst  hätten  die  Thaten  solcher
Männer  mehr  Anklang  und  besseren  Erfolg  finden  müssen.  —

Dresden  war,  während  des  Vordringens  des  kühnen
Braunschweigers,  in  dsterreichische  Gewalt  gekommen;  die
von  dem  entflohenen  Koͤnige  dort  einstweilen  eingesebzte  Regierungsbehörde
  verwendete  sich  unmittelbar  bei  dem  Erzher—
zoge  Carl  um  Schonung  des  Landes.  Der  Kdnig  mißbilligte
von  Frankfurt  aus  diese  Maßregel,  die  ohne  seinen
Auftrag  geschehen  war,  dffentlich  und  ertheilte  der  Regierungsbehdrde
  dieserhalb  einen  Verweis,  ließ  auch  das  vom
Erzherzoge  Carl  an  die  Regierungsbehörde  eingehende  Antwortschreiben
  uneröffnet  an  Napoleon  gelangen,  weil  wie
ein  berufener  Vertheidiger  Friedrich  August's  erklärt,  dieses
Verfahren  der  Regierungsbehdrde  „den  Anschein  einer  politischen
  Verhandlung  haben  und  den  Verdacht  eines  geheimen
Einverständnisses  der  sächsischen  Regierung  mit  Oesterreich  erregen
  konnte.“

Oesterreich,  von  Deutschland  verkannt  und  ohne  Beistand
gelassen,  mußte  den  Frieden  mit  schweren  Oofern  erkaufen;
es  verlor  im  Wiener  Frieden  gegen  2000  Quadratmeilen.