502  Buͤndniß  mit  Frankreich.

Sachsen  sollten  sechs  von  der  Lausitz  eingeschlossene  boͤhmische
Ortschaften  einverleibt  werden,  deren  Uebergabe  jedoch  nie
erfolgte.  Dagegen  erhielt  das  Herzogthum  Warschau  —
Napoleon  schien  an  dieser  neuen  Schoͤpfung  ein  besonderes
Wohlgefallen  zu  finden  —  ganz  Westgalizien,  die  Stadt
Krakau  mit  einem  Landstriche  auf  dem  rechten  Ufer  der  Weichsel,
  und  den  Zamosker  Kreis  in  Ostgalizien  (Friedrich  August
hatte  zu  dieser  Vergrößerung  des  Herzogthums  keinen  Anlaß
  gegeben).  Die  wichtigen  Salzwerke  von  Wieliczka  sollten
  Oesterreich  und  Warschau  in  gemeinschaftlichem  Besitze
  haben.  Das  Herzogthum  hatte  dadurch  in  Allem  gegen
920  Quadratmeilen  mit  1,400,000  Einwohnern  erworben,
und  diesex  Zuwachs  wurde  in  vier  neue  Departements  abgethcilt.
  Trotz  dieser  Erwerbungen  konnte  der  im  Innern
des  Herzogthums  zehrende  Mange  nicht  beschwichtigt  werden,
daher  der  Konig  sich  genösthigt  sah  (1.  Decbr.  1810)  ein
Papiergeld  zu  neun  Millionen  polnischer  Gulden  zu  stiften,
und  im  folgenden  Jahre  (1811)  eine  Anleihe  von  12  Millionen
  Franken  für  Warschau  aufzunehmen.  Durch  die  Auflösung
  des  deutschen  Ordens  (24.  April  1809)  fiel  die  sogenannte
  Ballei  Thüringen  dem  Könige  von  Sachsen  zu,
welcher  bereits  die  Oberhoheit  darüber  geubt  hatte.  Als  im
October  1810  ein  Edict  des  Koͤnigs  von  Preußen  alle  Kloster,
  Capitel,  Comthureien  2c.  des  Johanniterordens  für  knigliche
  Domainen  erklärte,  zog  der  König  von  Sachsen  die
beiden,  in  der  Niederlausitz  gelegenen  Ordensämter,  Friedland
  und  Schenkendorf,  cin  und  verweigerte  die  Bestätigung
des  durch  den  damaligen  Heermeister,  Prinz  Ferdinand  von
Preußen,  unternommenen  Verkaufs.  Dies  hatte  eine  Menge
streitlicher  Erdrterungen  zwischen  Preußen  und  Sachsen  zur
Folge,  die  bis  zu  den  allgemeinen  politischen  Umwälzungen
des  Jahres  1813  währten.

Nachdem  Napoleon  im  Jahre  1809  vom  Könige  von
Sachsen  und  vielen,  theils  herkoömmlichen,  theils  neu  geschaffnen
  Koönigen  und  Fürsten,  zu  Paris  besucht  worden  war,
trennte  er  bald  darauf  seine  Ehe  mit  Josephinen,  die  den
Grundstein  zu  dem  Riesenbaue  seines  Gläckes  gelegt  hatte,