Buͤndniß  mit  Frankreich  503

und  vermaͤhlte  sich  mit  der  Erzherzogin  Marie  Luise  von
Oesterreich,  der  Tochter  Franz  I.  Die  auf  diese  Verbindung
gebauten  schonen  Hoffnungen  mancher  Politiker  für  die  nunmehrige
  Dauer  des  Friedens  sollten  sich  nur  zu  schnell
schmerzlich  täuschen.  Sachsen,  das,  zufolge  seiner  vermittelnden
  Lage,  Napoleons  militairische  Plane  unaufhörlich
durchkreuzten  und  zu  einem  vollkommenen  Waffenplatze  umzugestalten
  strebten,  mochte  sich  dieser  Aufmerksamkeit,  die  es
dem  Wolteroberer  eingeflößt  hatte,  nicht  eben  schr  freuen.
Vor  Allem  dachte  er  ihm  eine  neue  Fcsiung  zu,  da  die  vorhandenen
  seinen  Wünschen  nicht  entsprachen.  Wittenberg
fiel  ihm  zuerst  als  ein  hierzu  geeigneter  Platz  in  die  Augen
und  er  ließ  es  daher  durch  seinen  Gesandten  zu  Dresden,
Bourgoing,  nöäher  besichtigen.  Da  dieser  jedoch  an  der  Lage
des  Ortes  Manches  auszusetzen  hatte  und  Torgau  ihm  passender
  schien,  so  wurde  letztere  Stadt  zur  künftigen  Festung
Sachsens  bestimmt.  Dagegen  sollten  die  Festungswerke  Wittenbergs
  abgetragen  werden,  wozu  es  jedoch  vor  der  Hand
nicht  kam.  Der  von  dem  allgemeinen  Swingheern  anbefohlene
  Bau  dieser  neuen  Festung  zu  Torgau  brachte  freilich
das  durch  den  Krieg  ohnedies  erschöpfte  und  geldarme  Land
in  nicht  geringe  Verlegenheit,  denn  man  mußte  denselben
in  Allem  auf  5  bis  6  Millionen  Thaler  anschlagen.  Allein
Napolcon  war  gewöhnt,  seine  Befehle  erfüllt  zu  sehen,  und
so  mußten  Land  und  Stände  sich  zu  Aufbringung  des  Aeussersten
  bequemen.

Wenn  Deutschland  und  Europa  in  den  vorhergehenden
Kampfen  einen  schwankenden  Charakter  gezeigt  hatten,  so
sollte  das  Jahr  1810  ein  gewisses  inneres  Reifen  der  Zeit
mitbringen,  das,  wenn  auch  noch  nicht  unmittelbar  nach  1810
aussen  hervortretend,  doch  die  Bürgschaft  eines  baldigen  ernstern
  und  entscheidendern  Gegenkampfes  in  sich  trug.  Die
warme  Bewunderung,  welche  Kaiser  Alexander  eine  Zeitlang
der  militairischen  Größe  Napoleons  gezollt  hatte,  ging  allmaͤlig
  in  ein  kaltes,  kopfschüttelndes  Staunen  über;  die
Trennung  zwischen  Beiden  ward  immer  entschiedener,  immer
sichtbarer.  Den  nächsten  Grund  zu  Alexanders  zunehmender