Buͤndniß  mit  Frankreich.  507

aus  einer  anfangs  bedenklichen  in  eine  verzweifelte  und  furchtbar
  hoffnungslose.  Die  Sachsen  hatten,  im  Verhaͤltniß  zu
ihrer  Zahl,  ebenfalls  ungcheuren  Verlust  erlitten;  dem  Reste
blieb  der  schauderhafte  Uibergang  über  die  Brücke  der  Berezina
  —  jenes  selbst  in  der,  an  Schrecknissen  reichen  Kriegsgeschichte
  beispiellose  Nachtstäck  —  vorbehalten.  Auch  die,
Warschau  deckenden  Sachsen  mußten  sich  in  wiederholten
Gefechten,  gegen  einen  meist  überlegenen  Feind  schlagen  und
wurden  bedeutend  geschwächt.  Sachsen  hatte  dem  ungeheuren
  Grabesschlunde  Rußlands  seine  reichliche  Beisteuer  gebracht;
  Napoleon's  Riesenbau  den  ersten  entscheidenden
Stoß  erhalten,  der  ihn  in  seinen  Grundfesten  erschütterte.
Ungebeugt  von  diesen  schrecklichen  Schlägen,  bot  Napoleon
seinen  ganzen  Troß  auf,  um  durch  neue  Gefahren  die  gehabten
  Verluste  zu  ersetzen.  Die  ganze  polnische  Nation
ward  von  ihm  zum  Kampfe  aufgerufen,  jeder  Stand,  jedes
Alter  sollte  sich  unter  die  Waffen  stellen,  der  Fürst  Poniatowsky
  der  Anführer  seyn.  Dagegen  erklärte  der  Kaiser  von
Rußland  allgemeine  Amnestie  für  die  Polen,  welche  gegen
Rußland  gefochten  oder  Stellen  unter  den  Franzosen  bekleidet
  hätten.  Des  preußischen  Generals  York  Waffenstillstand
mit  den  Russen,  mehrte  Napoleon's  Verlegenheit.  Der  König
  von  Preußen  mißbilligte  zwar  anfangs  diesen  eigenmächtigen
  Schritt  Vork's;  aber  in  seinem  ganzen  Lande  sprach
die  Stimme  des  Volks  zu  laut  gegen  die  französische  Allianz,
als  daß  man  nicht  auch  von  oben  ein,  der  allgemeinen
Stimmung  entsprechenderes  System  hätte  annehmen  sollen.
Der  König  verließ  seine,  noch  von  den  Franzosen  besetzte
Hauptstadt  und  ging  nach  Breslau.  Der  patriotische  Sinn
regte  sich  mächtig  durch  ganz  Preußen  und  rief  alles  unter
die  Waffen.

Der  Vicekönig  Eugen  drängte  sich  mit  dem  Reste  des  1813
Hccres  glücklich  nach  Sachsen  hinein.  Die  Sachsen  hatten
unter  dem  General  Le  Coq  bei  Kalisch  ein  hltziges  Gefecht
zu  beslehen,  welches  zu  ihrem  Nachtheile  ausschlug.  Ebenfalls
  zu  Kalisch  wurde  zwischen  Rußland  und  Preußen  (Februar
  1813)  ein  Angriffs=  und  Vertheidigungsbündniß,  auf