508  Buͤndniß  mit  Frankreich.

die  Bedingung  der  Wiederherstellung  Preußens  nach  seinem  Bestande
  vor  dem  Kriege  von  1806,  abgeschlossen  und  schon  am
16.  März  von  Preußen  der  Krieg  gegen  Frankreich  erklärt,
Preußens  Volk  und  Heer  zum  Kampfe  aufgeboten  und  die
Gründung  der  Landwehr  und  des  Landsturmes  angeordnet.
Oesterreich  hatte  vergebens  den  Frieden  zu  vermitteln  gesucht,
und  in  der  Wahrnehmung,  daß  Napoleon's  starrer  Troß
absichtlich  jedes  Mittel  zu  einer  friedlichen  Ausgleichung  entkräfte,
  trat  es  endlich  entschiedener  auf.  Vergeblich  bot  Napoleon,
  dessen  alter  Groll  Preußen  um  jeden  Preis  zu  vernichten
  strebte,  Oesterreich,  für  den  Fall  eines  Bündnisses
mit  ihm,  den  Wiederbesitz  des  einst  von  Maria  Theresin
an  Friedrich  den  Großen  verlorenen  Schlesiens;  Oesterreich  erklärte
  sich,  das  System  einer  bewaffneten  Neutralität  zu  ergreisen.
  Sachsen  mußte  unter  solchen  Umständen  der  trüben
Aussicht,  wiederum  den  Mittelpunct  des  Kampfes  zu  bilden,
Raum  geben.  Um  aber  seine  Wahl  nicht  zu  unmittelbar  unter
französischen  Zwang  zu  stellen,  lehnte  der  König  von  Sachsen
  Napoleon's  dringende  Einladungen,  nach  Frankfurt  oder
Mainz  zu  gehen,  ab  und  begab  sich  mit  seiner  Familie  nach
Plauen  im  Voigtlande,  von  da  nach  Regensburg  und  endlich
  nach  Prag.  Die  zu  seiner  Verfügung  in  Sachsen  stehenden
  Truppen  mußten  ihm,  trotz  Napoleon's  wiederholter
Forderung,  sie  ihm  zu  überlassen,  folgen;  auch  suchte  er
brieflich  Napoleon  zu  Annahme  der  von  Oesterreich  gethanen
Friedensvermittelungen  zu  bewegen.  Wie  sehr  aber,  troß
der  immer  bedrohlicher  sich  gestaltenden  Lage  der  Dinge,  der
König  noch  immer  an  Napoleon's  Glück)  glaubte  und  durch
fortdauerndes  Zusammenhalten  mit  demselben,  die  Sicherhest
seiner  Staaten  und  das  Glück  seiner  Unterthanen  zu  begründen
  hoffte,  geht  aus  seinem,  unmittelbar  vor  seiner  Abreise

*)  Seinem  Danktbarkeitsgefühle  gegen  Napoleon  hatte  er  wohl  schon
hinlänglich  Genüge  geleistet,  obschon  es  sehr  machtig  in  seinem
Herzen  sprach.  In  Berlin  sagte  er  zu  Herrn  v.  Gagern:  „Zweimal
  stand  es  in  der  Hand  dieses  mächtigen  Mannes,  mich  zu
verderben,  und  er  that  es  nicht.  Dessen  werde  ich  immerdar  eingedenk

  seyn.“