Bünduniß  mit  Frankreich.  511

zosen  hielten  sich  bis  zum  26.  in  Dresden,  dann  aber  marschirten
  sie  ab  und  die  Russen  besetzten  unter  Winzingerode
die  Stadt.  Vergebens  ergingen,  von  Seiten  der  Verbündeten,
die  dringendsten  Einladungen  an  Friedrich  August,  der  Sache
Deutschlands  gegen  den  fremden  Unterdrücker  beizutreten;
seine  Anhänglichkeit  an  diesen  horte  jett  schon  auf  standhaft
zu  heißen.  In  seiner  ausweichenden  Antwort  konnte  er  sich
gegen  den  König  von  Preußen  sogar  einer  gewissen  Bitterkeit
  wegen  Besetzung  des  cottbusser  Kreises  —  den,  obgleich
Preußen  ihn  tractatmaßig  an  Sachsen  abgetreten  hatte,
Blücher  dennoch  für  Letzteres  wieder  in  Besitz  nahm  —  nicht
erwehren.

Der  Kampf  der  Meinungen  hatte  sich  in  Sachsen  bereits
  zu  Gunsten  der  Allürten  entschieden,  welche  durch  Aufrufe
  allenthalben  die  Gemüther  und  Meinungen  für  ihre
Sache  zu  gewinnen  und  der  französischen  zu  entfremden  suchten.
An  Sachsen  wurden  —  da  hier  zwischen  dem  Systeme  des
Monarchen  und  der  Ueberzeugung  des  Volkes  der  entschiedenste
  Abstand  herrschte  —  dieselben  Mittel  erprobt.  Blücher
schien  diesen  Geist  in  Sachsen  am  besten  zu  kennen  und  diese
Ueberzeugung  stimmte  den  rauhen  „Marschall  Vorwärts“
zu  besonderer  Milde  gegen  das  Land,  daher  er  von  Bunzlau
aus  seinen  Truppen  nicht  nur  anbefahl:  „mild  und  menschlich
  gegen  die  Sachsen  zu  seyn,  sie  als  künftige  Bundesgenossen
  zu  betrachten,  die  nur  die  durch  Frankreichs  Arglist
irre  geleitete  Politik  ihres  Landesherrn  bis  jetzt  verhindert
habe,  die  Waffen  gegen  den  fremden  Unterdrücker  zu  kehren  ;“
sondern  auch  die  Sachsen  selbst  aufrief:  „sich  mit  ihm  zu
vereinigen,  die  Fahne  des  Aufstandes  gegen  die  fremden
Unterdrücker  zu  erheben  und  frei  zu  seyn.“  Noch  eigenthuͤmlicher
  und  mit  einer  gewissen  naiven  Treuherzigkeit,  dem  russischen
  Charakter  verwandt,  äußerte  sich  der  vom  Grafen  von
Wittgenstein  von  Berlin  aus  erlassene  Aufruf  an  die  Sachsen,
  der  diesen  Kampf  gegen  den  fränkischen  Zwingherrn  mit
den  einstigen  Kämpfen  der  Sachsen  gegen  Carl  den  Großen  verglich:
  „Leset  in  curen  Chroniken,  da  werdet  ihr  finden,  es
gab  auch  einmal  einen  herrschsüchtigen  Kaiser  der  Franken,