512  Buͤndniß  mit  Frankreich.

man  nannte  ihn  Carl  den  Großen,  der  hat  dreißig  Jahre
gegen  euch  Krieg  fuͤhren  muͤßen,  um  euch  zu  unterjochen.
Damals  hattet  ihr  auch  einen  Koͤnig,  er  hieß  Wittekind;
der  fuͤhrte  euch  selbst  in  den  blutigen  Kampf  für  eure
Freiheit.  Wer  nicht  mit  der  Freiheit  ist,  der  ist  gegen
sie.  Darum  wählt  meinen  brüderlichen  Gruß  oder  mein
Schwert.  Auf,  auf!  Bewafsfnet  euch,  und  wäre  es  auch
nur  mit  Sicheln  und  Sensen  und  Keulen.  Vertilgt  die
Fremdlinge  von  eurem  Boden!“  —  Wieloersprechender
klang  noch  sein  späterer  Aufruf  von  Belzig  aus,  der  mit  den
hochherzigen  Worten  schloß:  „Sachsen!  Deutsche!  Unsere
Stammbäume,  unsere  Geschlechtsregister  schließen  mit  dem
Jahre  1812.  Die  Thaten  unserer  Ahnen  sind  durch  die  Erniedrigung
  ihrer  Enkel  verwirkt.  Nur  die  Erhebung  Deutschlands
  bringt  wieder  edle  Geschlechter  hervor  und  gibt  denen,
welche  es  waren,  ihren  Glanz  zurück.“  —

Es  war  schmerzlich  für  die  Sachsen,  durch  die  Polkkif
ihres  Königs  zu  einem  Kampfe  gezwungen  zu  seyn,  der  mit
ihrer  Uiberzeugung  im  vollkommensten  Widerspruche  stand.
Die  Verhandlungen  mit  Oesterreich,  zu  Folge  deren  der  König
dem  von  dieser  Macht  behaupteten  Systeme  einer  bewaffneten
  Neutralität  beitreten  wollte,  zerschlugen  sich  durch  Oesterreichs
  Beitritt  zum  Kampfe  der  Verbündeten;  auch  wäre  für
Sachsen  ein  solches  System  schwerlich  ausföhrbar  gewesen.
Zu  manchen  Zeiten  mochten  dem  Könige  von  Sachsen  wohl
Zweifel  aufsteigen  und  seine  Ausdauer  schwanken;  am  5.  Mai
gab  er,  noch  ununterrichtet  von  der  Schlacht  bei  Lützen,  dem
General  Thielmann  die  schriftliche  Weisung:  Torgau  auch
dann  nicht  für  Frankreich  zu  öffnen,  wenn  das  Glück  der
Wassfen  die  Franzosen  wieder  an  die  Elbe  führen  sollte.

Die  Schlacht  bei  Großgörschen  (2.  Mai)  —  Napoleon
zog  es  aus  Vorliebe  für  große  historische  Erinnerungen  vor,
ste  die  Schlacht  bei  Lützen  zu  nennen  —  entschied  sich,  trotz
der  Tapferkeit  der  Verbündeten,  für  Napolcon,  und  hatte  die
Besetzung  Leipzigs  durch  die  Franzosen  zur  Folge.  Napoleon
selbst  ging  nach  Dresden  und  zeigte  sich  dort  sehr  unwillig
gegen  die  Immediatcommission.  Besonders  kehrte  sich  sein