Buͤndniß  mit  Frankreich.  513

Sorn  gegen  Thielmann,  der  sich  geweigert  hatte,  dem  Marschall
  Ney,  auf  dessen  Verlangen,  Torgau  zu  dffnen.  Dem
ausdrücklichen  Befehle  des  Königs  entgegen,  mußte,  auf
Napoleon's  Verlangen,  die  Immediatcommission  durch  einen
  Abgeordneten  die  Uebergabe  Torgau's  anbefehlen.  Der
König  von  Sachsen,  der  vergebens  auf  eine  bestimmende
Antwort  von  Oesterreich  wartete,  befand  sich  in  der  peinlichsten
  Verlegenheit,  welche  Maßregeln  er  ergreifen  solle.  Am
3.  erhielt  er  einen  Brief  des  Herzogs  von  Weimar,  der  ihm
Napoleon's  Durchreise  und  zugleich  dessen  Aeusserung  über
Sachsen  mittheilte:  „Ich  will,  so  hatte  Napoleon  gesprochen,
  daß  der  König  sich  erkläre;  ich  werde  dann  wissen,
was  ich  zu  thun  habe;  ist  er  aber  gegen  mich,  so  wied
er  Alles,  was  er  hat,  verlieren.“  Drei  Tage  später  überbrachte
  der  franz.  Gesandte,  Baron  Serra,  dem  Kdnige
ein  eigenhändiges  Schreiben  Napoleon's,  und  verlangte  unter
ziemlich  verständlichen  Drohungen  die  sofortige  Vereinigung
der  in  Böhmen  stehenden  sächsischen  Truppen  mit  den  Franzosen.
  Des  Kdnigs  Lage  gestaltete  sich  immer  peinlicher.
Er  wollte  seine  Erklárung  zurückhalten,  bis  der  erwartete
dsterreichische  Gesandte  eingetroffen  sey;  doch  dieser  blieb,
angeblich  durch  Unwohlseyn  verhindert,  aus.  Am  7.  Mai
erschien  auch  noch  der  geheime  Rath,  Graf  Hohenthal,  in
Prag  und  theilte  dem  Koͤnige  die  von  Napoleon  der  Leipziger
Deputation  gegebene  drohende  Erklärung  über  das  Schicksal,
welches  Sachsen  zu  erwarten  habe,  mit,  schilderte  zugleich
Napoleon's  Unwillen  über  die  von  Thielmann  den  Franzo-=sen
  geweigerte  Oeffnung  Torgau's  und  über  die  ebenfalls
durch  Thielmann  geschehene  Erwähnung  eines  zwischen  Oesterreich
  und  Sachsen  abgeschlossenen  genauen  Bündnisses.
Der  Konig,  welcher  so  viel  für  sein  Land  zu  fürchten  hatte
und  vor  der  Hand  den  Verbündeten  nicht  von  Nutzen  seyn
zu  konnen  glaubte,  mußte  sich  wohl  oder  übel  entschließen,
dem  Drange  des  Augenblicks  —  diesem  Tyrannen  kleiner
Staaten  —  nachzugeben.  Er  schrieb  demnach  unterm  8.
Mai  an  Thielmann:  „daß  er  sich  bewogen  finde,  dem  neuerlichen
  Verlangen  des  Kaisers  von  Frankreich  gemäß,  die
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