514  Buͤndniß  mit  Frankreich.

Festung  Torgau  und  deren  Besatzung  den  Befehlen  des  anderweit
  zum  Commandanten  des  siebenten  Armeecorps  bestimmten
  Generals  Reynier  zu  übergeben;  Ahielmann  solle
sich  mithin  hiernach,  ohne  Berücksichtigung  der  ihm  zeither
  unter  der  Beziehung  auf  ein  Einverständniß  mit  Oesterreich
  ertheilten  Befehle,  achten  und  mit  Reynier  darüber  sich
vereinigen,  welcher  Theil  der  Garnison  zum  Dienste  in  der
Festung  verbleiben  und  welcher  zur  Bildung  des  siebenten
Armcecorps  herausgezogen  werden  solle.“  Thielmann  oͤffnete
nunmehr  Torgau,  trat  aber,  um  sein  Nichteinverstandenseyn
mit  diesem  Schritte  zu  beweisen,  aus  dem  sächsischen  Dienste
und  ward  Generaladjutant  und  Generallieutnant  des  Kaisers
von  Nußland.  Die  zahlreichen  Erdrterungen  über  das  Lobenswerthe
  oder  Unrechte  in  Thielmann'é  Handlungsweise
gehdren  nicht  weiter  hieher.  —  Die  Stürme  der  Ereignisse
drängten  sich  immer  dichter  über  Friedrich  August's  Haupte
zusammen;  der  Graf  von  Einsiedel,  der  französische  Oberst
von  Montesquiou  trafen,  während  der  Konig  den  General
v.  Gerödorf  an  den  Kaiser  geschickt  hatte,  in  Prag  ein,  und
der  König  sollte  sich  nunmehr  entscheidend  erklären:  ob  er
in  seine  Hauptstadt  zurückkehren,  Torgau  und  alle  vorhandene
  sächsische  Truppen  dem  Kaiser  zur  Verfügung  stellen
und  seinen  Verpflichtungen  als  Mitglied  des  Rheinbundes
nachkommen  wolle;  da  im  Verweigerungsfalle  der  Kaiser
Sachsen  als  ein  erobertes  Land  ansehen  und  behandeln
werde.  Zwei  Stunden  gab  man  ihm  Bedenkzeit,  es  war
daher  nicht  moglich,  vorher  noch  den  Rath  des  Ssterreichischen
  Hofes  einzuholen,  auch  drängten  den  König,  bei  seinem
  redlichen  Sinne,  wirklich  seine  Verpflichtungen  als  Mitglied
  des  Rheinbundes,  von  welchem,  ausser  Mecklenburg,
sich  noch  kein  Staat  losgesagt  hatte,  obgleich  Baiern  nur
noch  mit  Unlust  dieses  alte  Verhältniß  fortbestehen  ließ.
So  blieb,  in  dieser  rathlosen  und  aufgegebenen  Stellung,
dem  König  keine  andere  Wahl,  als  (12.  Mai)  nach  Dresden
  zurückzukehren,  ein  Schritt,  von  welchem  er  den  Kaiser
von  Oesterreich  zu  benachrichtigen  nicht  unterließ.  Napoleon
empfing  ihn  zwischen  dem  großen  Garten  und  dem  Dorfe