520  Bündniß  mit  Frankreich.

wälzen,  deren  Bravour  selbst  die  Gegner  ehrend  anerkannt
hatten.  Dergleichen  absichtliche  Kränkungen  in  unglücklichen
Fällen,  bei  ausbleibendem  Danke  in  glücklichen,  mußten  die
deutschen  Bundesgenossen  der  Franzosen  wohl  in  ihrem  Eifer
  erkälten,  zumal  sie  recht  gut  einsahen,  daß  sie  nicht  für
die  rechtmäßige  Sache  ihr  Blut  verspritzten,  und  daß  dieser
Kampf,  bei  Napoleon's  rastlosen  Unterjochungsentwürfen,
gar  kein  Ende  absehen  lasse.  Schon  nach  der  Schlacht  bei
Dennewitz  gingen  verschiedene  gefangene  Sachsen  und  Wurtemberger
  zu  den  Verbündeten  über.  Napoleon  stieß  nunmehr
überall  auf  Verluste;  das  Glück,  das  einst  seine  köstlichsten
Gaben  mit  verschwenderischer  Ueberfülle  auf  ihn  ausgeleert
hatte,  achtete  sich  nunmehr  auch  mit  ihm  abgefunden  und  kehrte
ihm  für  immer  den  Rücken.  Nach  einem  erfolglosen  Zuge
in  die  Lausitz,  kehrte  Napoleon,  unmuthig,  daß  Blücher  ihm
vorsichtig  ausgewichen  war,  nach  Dresden  zurück  und  unternahm
dann  einen  Zug  gegen  Böhmen,  den  jedoch  die  bei  Nollendorf
  gegen  ihn  vorprallenden  Verbündeten  vereitelten  und
in  einen  Rückzug  nach  Dresden  verwandelten.  Diese  nutzlosen
  Hin=  und  Herzüge  untergruben  mehr,  als  offene
Schlachten,  die  beste  Kraft  des  franzdsischen  Heeres,  das
in  dieser  unthätigen  Ruhelosigkeit  zugleich  ermüdete  und  erschlaffte.
  Napoleon's  Feldherren,  die  durch  angehäuften  Reichthum
  sich  an  ein  bequemes  Leben  gewöhnt  und  den  Geschmack
  für  Strapatzen  verloren  hatten,  waren  am  unmuthigsten
  dabei,  und  ihr  Mangel  an  Entschlossenheit  und  Eifer
  wirkte  nachtheilig  auf  das  Gluck  der  französischen  Waffen.
Durch  betrügerische  Commissaire  und  die  nichtswürdigsten
Unterschleife  aber  wurde  der  gemeine  Krieger,  den  Napoleon
auf  das  beste  versorgt  glaubte,  dem  bittersten  Mangel  preisgegeben,
  und  während  die  Beamten  ganze  Lieserungen  unterschlugen
  und  zu  Spottpreisen  verkauften,  starben  viele
Franzosen  in  den  Straßen  Dresdens  im  buchstäblichen  Sinne
den  Hungertod.  So  hatten  sich,  neben  Napoleon's  eigenem
Uebermuthe  und  friedensscheuem  Trotze,  auch  noch  die  Lauheit
  seiner  Generale,  die  ruchlose  Betrügerei  seiner  Beamten
zu  seinem  Untergange  verschworen.  Immer  drückender  wurde