522  Bündniß  mit  Frankreich.

bei  Liebertwolkwitz  durch  ein  Gefecht  gegen  Wittgenstein  und
Klenau  das  Vorspiel  zu  dem  letzten  großen  Kampfe  Napoleon's
  auf  deutschem  Boden.  Kopfschüttelnd  bekannte  sich
der  abentheuerliche  Murat,  daß  der  Feind  es  ernstlich  meine;
denn  beinahe  wäre  er  selbst  gefangen  genommen  worden.
Ausserdem  brachte  dieses  Gefecht  keine  Entscheidung,  da
Schwarzenberg  dadurch  nur  die  Stellung  und  die  Stärke  der
Franzosen  hatte  ermitteln  wollen.  Am  16.  Octbr.  entbrannte
der  Hauptkampf,  und  zwar  in  zwei  Schlachten  zugleich,  nämlich
  im  Süden  von  Leipzig  bei  Wachau,  im  Norden  bei
Möckern,  an  der  Spitze  der  Verbündeten,  hier  Blücher,  dort
Schwarzenberg.  Von  beiden  Seiten  wurde  mit  Erbitterung
und  Todesverachtender  Kühnheit  gefochten.  Am  Nachmittage
durchbrach  Napoleon  durch  wüthende  Angriffe  und  ein  moͤrderisches
  Feuer  das  Centrum  der  Verbuͤndeten,  Wittgenstein
mußte  sich  zurückziehen  und  die  Franzosen  stürmten,  bereits
siegestrunken,  von  den  Anhöhen  über  Wachau  bis  Güldengossa
  vor  und  nahmen  26  Kanonen  weg.  Zu  fruͤh  ließ  sich
Napoleon  von  diesem  anscheinenden  Glücke  verleiten,  die  Siegesnochricht
  nach  Leipzig  hineinzusenden  und  die  Glocken  läuten
  zu  lassen.  Nur  zu  schnell  waren  die  Franzosen  durch  die
russischen  Garden  wieder  aus  Güldengossa  verdrängt,  30,000
Oesterreicher  kamen  unter  Colloredo  bei  dem  Hauptheere  an,
und  am  Abende  hatten  die  Verbündeten  ihre  alten  Stellungen
  wieder  eingenommen.  Meckern  wurde,  nach  mehrern
abgeschlagenen  Stürmen  und  unter  fürchterlichem  Blutvergießen,
  von  den  Preußen  genommen.  Napoleon's  düsterm
Blicke  entfaltete  sich  das  Verderbliche  seiner  Lage;  er  ließ
den  Verbündeten  anbieten,  daß  er,  jedoch  ohne  entehrende
Bedingungen,  Deutschland  rdumen  wollte,  erhielt  aber  keine
Antwort  darauf.  Immer  dichter  wurde  er  gegen  Leipzig  hingedrängt,
  dessen  historischer  Boden  zu  dem  Schauplatze  der
ewig  denkwürdigen  Vöôlkerschlacht  bestimmt  war.  Nopoleon
wollte  den  sächsischen  Heerestheil  nach  Torgau  aufbrechen
lassen,  allein  man  fand  die  Straße  versperrt.  Der  17.  October
  war  ohne  Feindseligkeiten  abgegangen,  der  folgende
Tag  aber  sollte  die  Entscheidung  bringen.  Friedrich  August