Buͤndniß  mit  Frankreich.  523

erhielt  waͤhrend  der  Schlacht  die  Nachricht,  daß  die  Reiterei
zum  groͤßten  Theile  zur  Nordarmee  uͤbergegangen  sey  und
daß  die  Infanterie  und  Artillerte  ein  Gleiches  zu  thun  geneigt
  scheine,  wenn  man  sie  nicht  von  den  Franzosen  trenne.
Den  redlichen  Fuͤrsten  konnte  dieses  Verfahren  seiner  Truppen,
  selbst  gegen  einen  von  der  oͤffentlichen  Meinung  mit
Recht  aufgegebenen  Bundesgenossen,  nur  mit  Unwillen  und
Wehmuth  erfuͤllen,  und  wie  uͤbel  es  auch  bereits  um  die
Wage  der  Schlacht  stand,  so  gab  er  doch  auf  jene  Nachricht
  die  würdevolle  Erklärung:  „seine  Truppen  könnten  ihre
Anhänglichkeit  an  seine  Person  nicht  besser  an  den  Tag  legen,
  als  durch  die  genaueste  Erfüllung  ihrer  Dienstpflicht;
er  setze  Ubrigens  ein  unbegrenztes  Vertrauen  in  ihre  Treue.“
Demohngeachtet  ging  am  18.  October  Nachmittags  die  sächsische
  Insanterie  und  Artillerie  zwischen  Paunsdorf  und  Sellerhausen
  über,  eine  unehrenvolle  Handlung,  aber  für  Napoleon
  ein  neuer  furchtbarer  Schlag.  Nothdürftig  ergänzte
er  die  dadurch  verursachten  Lücken  durch  einen  Theil  seiner
Garden;  mit  dem  Anbruche  der  Nacht  trat  das  besiegte  französische
  Heer  seinen  Ruͤckzug  an.  Napoleon  ließ  dem  Könige
von  Sachsen  melden,  daß  er  das  Heer  hinter  die  Saale
nach  Erfurt  führen  werde,  und  ihn  fragen,  ob  er  in's
Hauptquartier  nachfolgen  oder  in  Leipzig  bleiben  wollte.  Zugleich
  ließ  er  ihn  versichern,  daß  er  bei  dem  französischen
Heere  volle  Sicherheit  für  seine  Person  finden  solle.  Friedrich
  August  aber  erwiederte  mit  Bestimmtheit:  „daß  er  in
Leipzig  bleiben  und  der  Großmuth  und  Gerechtigkeit  der  verbündeten
  Monarchen  sich  überlassen  wolle.“  Am  19.  October
  Morgens  kam  Napoleon  selbst  zu  dem  Konige  und  lud
ihn  ein,  ihn  nach  Weißenfels  zu  begleiten  und  von  dort  aus
mit  den  Verbündeten  Unterhandlungen  einzugehen.  War  es
ein  Gefühl  der  Freundschaft,  das  ihn  vermochte,  den  Fürsten,
  der,  unschuldig  an  dem  Uebergange  seiner  Truppen,
für  ihn  einem  schweren  Schicksale  entgegenzugehen  im  Begriffe
  stand,  in  seine  eigne  Rettung  aufzunehmen,  oder  war
es  —  was  jedoch  die  nunmehr  cintretende  Ohnmacht  Sachsens
  nicht  glaublich  macht  —  eine  neue  politische  Specula-