534  Innere  Verhaͤltnisse  1807  —  1813.

ner  geist=  und  kenntnißloser  Censoren  noch  immer  besser  basirt
  seyn  könnte.  —

Wie  in  den  Zeiten  der  Volkerwanderung  von  den  Romern,
  so  nahmen  in  unsern  Tagen  die  Deutschen  von  den
Franzosen  eine  neue  Fechtweise  an.  Die  dußerst  planvolle
und  wirksame  Anwendung  concentrirter  Massen,  welche  Napoleon's
  Kriegskunst  charakterisirt  und  die  ihn,  ob  auch  im
Allgemeinen  der  schwächere  Theil,  doch  an  dem  Orte  des
Angriffs  jederzeit  mit  uberwiegender  Stärke,  mit  erdrückender
  Uebermacht  auftreten  ließ,  hatte  vorzugsweise  die  ungeheuern
  Resultate  erzielt,  die  in  kurzer  Zeit  Napoleon's  Bild
aus  dem  Bereiche  einzeln  vertheilter  Weltgröße  gleichsam
den  Regsonen  des  Ueberschwenglichen,  Ueberirdischen  zutrug.
Seine  Kunst  wurde  ihm  zwar  theuer  abgelernt,  aber  er  ging
auch  unter,  als  die  Welt  diesen,  lange  unbegreiflichen  Zauber
  durchblickt  hatte;  man  kann  sagen:  er  war  todt,  als  er
sich.  verstanden  sah.  Mit  bluttriefendem  Schwerte  hatte  er
den  fremden  Streitern  das  System  seiner  Strategie  vorgezeichnet,
  und,  ohne  es  zu  wollen,  eine  neue  Hriegsschule
in's  Leben  gerufen,  die  für  die  Stellung  der  europäischen
Staaten,  sowohl  unter  einander,  als  zu  nichteuropdischen
Mächten,  von  der  ersprießlichsten  Wichtigkeit  war  (man  darf
wohl  behaupten,  daß  in  gewisser  Hinsicht  der  Geist  des
kodten  Napoleon  auch  die  Russen  über  den  Balcan  führte).
Auch  Friedrich  August,  obgleich  er  die  von  Napolcon  ihm
zugemuthete  Einführung  der  militairischen  Conseription  ablehnte,
  erkannte  die  Nothwendigkeit,  sich  der  neuen  Kricgsund
  Heerverfassung  in  manchen  Puncten  anzuschließen,  zumal
  sein  Beitrikt  zum  Rheinbunde  in  dieser  Hinsicht  eine
größere  Gleichförmigkeit  mit  Frankreich  zur  natürlichen  Bedingung
  machte.  Er  ließ  zuvörderst  kriegskundige  Männer
die  Mittel  und  den  Plan  prüfen,  wornach  das  sächsische
Heer  am  leicheesten  dem  französischen  verähnlicht  werden  könne.
Die  erforderlichen  Veränderungen  gründeten  sich  zunächst  auf
die  Werbung,  das  Verwaltungsfach  und  das  Avancement
der  Offiziere,  das  hinfort  nicht  mehr  blos  vom  Dienststalter,
sondern  auch  von  Talent  und  Anwendbarkeit  abhängig  seyn