Sachsen  nach  der  Schlacht  bei  Leipug.  537

vermehrt;  so  daß  in  diesem  Gedränge  von  Mangel  und
JFammer  kein  Ende  abzusehen  war.

Schon  vor  dem  Eintritt  der  Russen  und  Preußen  auf
sächsisches  Gebiet  im  April  1813,  hatten  dieselben  eine
Centralverwaltung  aller  von  ihnen  zu  erobernden  Länder  errichtet,
  an  deren  Spitze  der  preußische  Staatsminister  Freiherr
  von  Stein  trat,  deren  Wirksamkeit  jedoch  durch  den
Ausgang  der  Schlacht  bei  Luͤtzen  unterbrochen  wurde.  Nach
der  Schlacht  von  Leipzig  ward  sie  auf  ausgedehntere  Weise
erneuert,  und  sollte  sich  uͤber  alle  Laͤnder  erstrecken,  die  sich
von  dem  Buͤndniß  gegen  Frankreich  ausgeschlossen  hatten.
Zum  Generalgouverneur  im  Koͤnigreiche  Sachsen  wurde  der
russische  General  Fürst  von  Repnin  ernannt,  unter  welches
Gouvernement  auch  das  Fäürstenthum  Altenburg  und  die
Reußischen  Länder  gestellt  und,  als  Organ  der  amtlichen
Mittheilung,  ein  eigenes  General-Gouvernementsblatt  für
Sachsen  gedruckt  wurde.  Als  Chef  und  General-Director
der  Polizei  in  diesen  Ländern  wurde  der  russische  Oberst
von  Rosen  angestellt.  Nach  Dresdens  Capitulation  wurde
diese  Stadt  der  Aufenthalt  Repnin's.

Das  Gouvernement  trat  unter  schwierigen  Umständen
auf;  es  sollte  ordnen  und  vermitteln,  während  der  Krieg
noch  nicht  geendigt  war.  Die  Verfolgung  der  französischen
Heerestrümmer  sebte  Deutschland  noch  immer  in  Flammen,
und  selbst  in  Sachsen  war  Alles  noch  in  lebhaftem  Kriegszustande,
  indem  in  Dresden  noch  Gouvion  St.  Cyr  mit
30,000  Mann  stand,  gegen  welche  Russen  und  Oesterreicher
  unter  Tolstoy  und  Klenau  immer  näher  vorrückten.
Dresden  empfand  während  dieser  Zeit  alle  Leiden  des  Kriegs;
ansteckende  Krankheiten  rafften  Tausende  der  Einwohner  wie
der  Besatzung  dahin  und  die  ganze  Stadt  war  von  grellen
Bildern  des  Todes  angefüllt.  Man  stürzte  die  Leichen  hausenweise
  aus  den  obersten  Stockwerken  der  Hauser  auf  die
Gasse  und  warf  sie  dann  —  sicher  manchen  Scheintodten
unter  ihnen  —  in  große  Gruben.  Ein  Versuch  der  Franzosen,
  sich  auf  der  Großenhayner  Straße  durchzuschlagen,
verunglückte,  und  die  Noth  nahm  immer  mehr  überhand.