Zeit  des  rufsischen  Gouvernements.  541

ausbleiben  koͤnne,  und  in  der  eben  so  sichern  Ueberzeugung,
daß  etwaige  Umtriebe  und  Kunstgriffe  sich  vergebens  bemühen
würden,  sein  Volk  ihm  abwendig  zu  machen  und  ihm  dessen
Liebe  zu  entziehen.  Nach  der  Capitulation  von  Paris  und
der  Abdankung  Napoleon's  stattete  der  Kdnig  den  Verbündeten
  schriftlich  seinen  Glückwunsch  ab  und  sprach  die  Hoffnung
für  eine  sofortige  Entscheidung  zu  Gunsten  seiner,  auß.  Aber
auch  diese  Briefe  blieben  unbeantwortet,  und  die  Hoffnungen
wurden  dadurch  eben  nicht  gesteigert.

Das  Gouvernement  suchte  jede  nur  einigermaßen  bethaͤtigte
  Anhänglichkeit  des  sächsischen  Volkes  an  seinen  Koͤ-nig
  zu  unterdrücken  und  nahm  deshalb  sogar  zu  drohenden
Schritten  seine  Zuflucht.  Die  Vaterlands  =  und  Fürstenlicbe
der  Sachsen  hatte  daher  manche  schwere  Prüfung  zu  ertragen,
  die  aber  zum  Ruhme  des  Volks  bestanden  wurde  und
für  die  Zweckmäßigkeit  der  kdniglichen  Regierung  eine  vortheilhafte
  Gewähr  gab.  Dem  eben  so  allgemein,  als  dringend
  ausgesprochenen  Wunsche  gemäß,  versammelten  sich
im  Mai  1814  zu  Leipzig  die  verschiedenen  Stände  des  Landes,
  um  sowohl  über  ihre  eignen  Interessen,  wie  auch  über
die  zweckmäßigsten  Schritte  zur  Wiederkehr  Les  Königs  zu
berathschlagen.  Allein  sie  wurden  in  ihrem  Vorhaben,  eine
Deputation  an  die  verbündeten  Monarchen  abzusenden,  durch
den  in  Leipzig  anlangenden  Generalpolizeidirector  von  Rosen
  gestdrt  und  zur  Untersuchung  gezogen.  Demohngeachtet
hatten  die  Stände  den  Muth,  eine  dahin  zielende  Vorstellung
  an  die  verbündeten  Menarchen  gelangen  zu  lassen,  und
dem  Generalgouverneur  wurde  noch  außerdem  eine  Bittschrift
überreicht,  um  die  Absendung  einer  ständischen  Deputation
an  die  Verbündeten  zu  gestatten,  was  jedoch  Repnin  verweigerte,
  welcher  den  Gouvernementscommissarien  sogar  die
von  den  Ständen  geschehenen  Schritte  als  „aufrührerische
Bewegungen“  schilderte  und  mit  der  Einlegung  eines  russischen.
Armeecorps  von  60,000  Mann  drohte.  Trotz  dieser  und
anderer  Schritte  wurden  von  Seiten  der  Viertelsmeister  und
Stadtrepräásentanten,  desgleichen  von  der  Ritterschaft,  dem
Heere  und  den  Ständen,  Adressen  für  die  baldige  Rückkehr