552  Theilung  Sachsens.

mehrten  Selbstständigkeit,  sich  unverkennbar  einem  neuen
Höhepuncte  seines  Wohlstandes  nähert,  noch  senen  Wunsch
verwirklicht  wissen  wollen?  Und  wer  könnte  es  einem  Fursten
  verargen,  der,  liebend  seinem  Volke  ergeben,  sich,  in
der  Unmoglichkeit,  es  ganz  zu  behaupten,  wenigstens  einen
Theil  desselben  zu  erhalten  strebt?  Die  Berufung  auf  die
biblische  Mutter,  welche  ihr  Kind  lieber  der  Gegnerin  überlassen,
  als  es  durch  das  Schwert  getheilt  wissen  wollte,
würde  verungläcken,  da  das  Leben  eines  Volkes  nicht  das
organische  eines  Kindes  ist  und,  unter  einer  weisen  Regserung,
  auch  einem  abgerissenen  Landestheile  eine  innere  Gesammtheit,
  ein  selbstständiger  Lebensgeist  einzufloͤßen  ist,  wozu
  Sachsen  selbst  das  Beispiel  lieferte.

Der  soldatische  Geist  hatte  sich  nicht  so  ruhig  den,  mit
der  provisorischen  Regierung  eintretenden  Beschränkungen  zu
sügen  vermocht,  als  der  mehr  passive  Bürgersinn;  vielmehr
hatten  Bewegungen  statt  gesunden,  die  zu  beklagenswerthen
Scenen  Anlaß  gaben.  Die  Nachricht  von  den,  durch  Burgerschaft
  und  Stände  an  die  Verbündeten  erlassenen  Avressen,
  wegen  Wiederherstellung  des  Königs  veranlaßte  die
Offiziere  der  sächsischen  Armee  zu  einem  gleichen  Schritte.
Der  General  Kleist  von  Nollendorf,  dem  diese  Adressen  zugesendet
  wurden,  nahm  solche  sehr  übel  auf  und  verfügte  sogar
  die  Versetzung  des  Gencrallieutnants  von  Le  Coq  und
des  Obersten  von  Zezschwitz  Dies  hatte  die  Erklärung  des
Generals  von  Liebenau,  mit  sämmtlichen  sächsischen  Reiteroffizieren
  der  Bestimmung  des  Generals  Le  Coq  folgen  zu
wollen,  zur  Folge;  zugleich  weigerten  sich  auch  die  Truppen,
den  Rhein  zu  überschreiten.  Wegen  der,  in  einzelnen  Ausdrücken
  veränderten  Adressen  ließ  Repnin  das  Mißfallen  des
Kaisers  von  Rußland  erkldren.  Im  Februar  1815  gelangte
die  Nachricht  der  vom  Congresse  festgestellten  Theilung  Sachsens,
  zu  dem  sächsischen  Heere,  dessen  Hauptauartier  Lüttich
geworden  war;  die  Officiere  befragte  man,  „welchem  Herrn
sie  in  Zukunft  dienen  wollten  „“  mit  der  Bemerkung,  daß
jedem  Offiziere  nach  seinem  Patente,  eine  Anstellung  in
preussischen  Diensten  gesichert  bleibe.  Aber  kaum  der  vierte