Theilung  Sachsens.  553

Theil  dersenigen  Offiziere,  deren  Geburtsorte  bei  der  bevorstehenden
  Theilung  an  Preußen  kommen  sollten,  erklärten
sich  für  den  preußischen  Dienst.  Die  Offiziere  der  Reiterei
verlangten,  vor  Abgabe  ihrer  Erklärung,  den  Befehl  ihres
Konigs  zu  sehen,  der  sie  ihret  Eides  entbände.  Da  Thielmann
  keinen  solchen  Befehl  aufweisen  konnte,  so  ward  das
Vernehmen  noch  übler.  Der  König  von  Sachsen,  den  man
fragte,  wie  das  sächsische  Corps  sich  zu  verhalten  habe  7  erklärte:
  „den  Bestimmungen  zu  folgen,  welche  von  den  Befehlshabern
  der  alllirten  Mächte  gegeben  werden  dürften.“
Von  preußischer  Seite  aber  erging  an  den  Feldmarschal.
Blücher  die  Verordnung:  aus  sämmtlichen  Regimentern  des
sachsischen  Armeecorps  zwei  Brigaden  zu  bilden,  wovon  die
erste  hauptsächlich  aus  Soldaten  der  künftig  zu  Preußen  gehörenden
  Provinzen,  die  zweite  aber  der  Mehrzahl  nach  aus
Soldaten  derjenigen  Provinzen  bestünde,  die  dem  Koͤnige
von  Sachsen  verbleiben  sollten.  Abgesehen,  daß  diese  Ordre
nicht  besagte,  inwiefern  diese  Beschlüsse  auch  die  Genehmigung
  des  Konigs  von  Sachsen  hätten,  ward  sie  von  Blächer
auch  noch  dahin  ausgedehnt,  daß  nicht  ganze  Regimenter
und  Lataillone  zu  den  bestimmten  Brigaden  stoßen,  sondern
die  einzelnen  Mannschaften  nach  Maßgabe  ihrer  Geburtsorte
und  der  gezogenen  Theilungslinie  geschieden,  mithin  ganz
neue  Regimenter  gebildet  werden  sollten.  Dies  erweckte  unter
  dem  sächsischen  Militair  große  Gährung.  Die  Soldaten,
welche  sahen,  wie  alle  ihre  Offiziere  zu  dem  General  von
Gneisenau  gingen,  wurden  gegen  diese  selbst  mistrauisch,
und  es  kam  zu  Gemurre,  ja  sogar  zu  Thätlichkeiten.  Blächer
  war  genöthigt,  insgeheim  Lüttich  zu  verlassen,  und  befahl,
  daß  die  Sachsen  nach  verschiedenen  Richtungen  aus
dem  Orte  marschiren  sollten.  Die  Garde  kam  unter  Schwierigkeiten
  dem  Befehl  nach;  zwei  Grenadierbataillone  aber
verlangten  durchaus,  der  Garde  zu  folgen,  kehrten  nach  dem
Abmarsche  eipenmächtig  wieder  um  und  bezogen  einige  Dörfer
  bei  Namur.  Hier  wurden  sie  von  zahlreichen  preußischen
  Truppen  mit  Kanonen  umzingelt,  entwaffnet,  dem
Gardebataillone  seine,  von  der  Königin  von  Sachsen  selbst