Vierte  Abtheilung.

Sachsen  in  seiner  neuen  Gestalt  bis  zu  dem  Tode
des  Koͤnigs  Friedrich  August,  5.  Mai  1827.

—

Nachdem  am  5.  Juni  1815  das  preußische  Gouvernement
sich  nach  Merseburg  zuruͤckgezogen  hatte,  kehrte  am  7.  Juni
Friedrich  August  nach  Dresden  zuruͤck.  Die  Sachsen,  von
jeher  von  einer  außerordentlich  treuen  Anhänglichkeit  an
ihr  Fürstenhaus  beseelt,  feierten,  auf  jedem  Wege,  den  der
Wiederkehrende  nahm,  seine  Rückkunft  durch  tausend  Zeichen
der  Liebe  und  Verehrung.  Das  Ungluck  —  dieser  ernste
Hohepriester  des  Menschenlebens,  immer  bestimmt,  ihm  die
höbere  Weihe  zu  geben  —  hatte  um  das  Haupt  des  ehrwürdigen
  Fürsten  einen  neuen  Nimbus  gebreitet,  den  das
Glack  glänzender,  aber  nicht  ächter  und  dauernder  hätte  spenden
  können,  und  Friedrich  August,  obgleich  nicht  lebhafter
Aeusserungen  seines  Gefühles  fähig,  mochte  darum  nicht
minder  tief  empfinden,  daß  auf  dem  Altare  der  Geschichte
die  Segenswünsche  cines  weinenden  Volkes  eine  noch  helligere
  Bedeutung  haben,  als  das  Jubelgeschrei  eines  von  den
statterhaften  Schwingen  des  Glückes  umrauschten.

Es  konnte  nicht  fehlen,  daß,  mitten  in  der  schönen  Gesammtheit
  der  Volkstreue  und  Standhaftigkeit,  auch  Einzelfälle
von  Wankelmuth  oder  Eigennutz  untergelaufen  waren.  Friedrich
  August,  zu  umsichtig,  als  daß  ihm  dergleichen  entgangen
  wäre,  blickte  schonend  darüber  hin.  Gleiche  Duldung