576  Friedrich  August's  Tod.

abstatten;  viele  hohe  Gäste  erschienen  in  Person,  und  Behörden
  und  Bürgerschaft  wetteiferten  in  Beweisen  der  Liebe
und  der  Freude;  auch  die  preussisch  gewordenen  Sachsen  standen
  darin  nicht  nach.  In  Dresden  gründete  der  Magistrat
zum  Andenken  dieses  Tages  eine  allgemeine  höhere  Bürgerschule,
  die  Friedrich  August's  =  Schule  genannt;  auch  ward
ebendaselbst  eine  Anstalt  zur  Unterstützung  hilfsbedürftiger
Blinden  und  Augenkranken  gestiftet;  zu  Chemnitz,  Zwickau,
Kirchberg  und  Frauenstein  neue  Schulgebäude  eroffnet  und
in  mehreren  andern  Städten  wohlthätige  oder  gemeinnätige
Anstalten  begründet.

Bis  zu  den  letzten  Tagen  seiner  Regierung  im  vollen  Besitze
  seiner  geistigen  Kräfte  und  in  der  selbstständigsten  Thätigkeit,
  erkrankte  Friedrich  August  in  der  Nacht  vom  1.  zum
2.  Mai  1827;  das  Uebel  nahm  sofort  einen  ernsten  Charakter
  an  und  machte  schon  am  5.  Mai  seinem  Leben  ein
Ende.  Es  war  just  der  Todestag  des  um  6  Jahre  ihm
vorangegangenen  Napoleon,  des  Mannes,  in  dessen  Schicksal
  er  verhängnißvoll  einverflochten  worden  war  und  der
auch  im  Tode  die  geheimnißvolle  Beziehung  zu  ihm  nicht
aufgeben  zu  wollen  schien.  Das  Bild  des  Todten  von  St.
Helena,  an  dessen  Daseyn  sich  für  Friedrich  August  und  für
Sachsen  die  Aussicht  einer  großen  Zukunft  geknüpft  hatte,
und  dessen  Erinnerung  tief  in  die  Seele  des  greisen  Königs
verwachsen  war,  schritt,  wie  es  scheint,  auch  noch  im  letzten
  Augenblicke  durch  seinen  Todetraum;  denn  es  wurde
behauptet,  daß  die  Lippen  des  Sterbenden,  der  bereits  nicht
mehr  der  Erde  angehbrte,  noch  den  Namen  „Napoleon“
lispelten,  ehe  sie  sich  fuͤr  immer  schlossen.