578  Sachsen  unter  König  Anton  1827  —  1830.

viele  günstige  Umstände  vereinigten.  Gleich  bei  seinem  Regierungsantritte
  machte  der  neue  König  seinen  Ministern  und
geheimen  Räthen  das  bescheidene,  den  Fürsten  gewiß  aber
ehrende  Geständniß:  daß  er,  im  Greisenalter  und  so  spät
zum  Throne  berufen,  sich  völlig  auf  ihre  Treue  verlassen
müsse.  Es  berechtigte  des  Königs  angeborene  Güte  und  Urtheilskraft
  zu  der  Ueberzeugung,  daß  Gefühl  und  Weieheit
ihn  unter  den  vorgeschlagenen  Maßregeln  leicht  die  bessern
und  zweckmäsigern  würden  wählen  lassen,  wenn  anders  von
Seiten  seiner  Minister  ihm  derselbe  redliche  Wille  entgegen
käme,  den  er  vertrauensvoll  im  eignen  Herzen  trug.  Die
Nähe  einer  zärtlich  geliebten,  mit  allen  Vorzügen  des  Geistes
  und  Herzens  geschmückten  Gemahlin,  Maria  Theresia
von  Oesterreich,  beglückte  ihn  und  nicht  ohne  Grund  durfte
man  hoffen,  daß  der  König  dem  thätigen  Geiste  der  jungen
Prinzen  des  Kdniglichen  Hauses  mit  Freuden  einen  Einfluß
auf  die  Verhältnisse  gewähren  und  aus  diesem  Zusammenwirken
  sich  gegenseitig  verstehender  und  innig  befreundeter
Kräfte  ein  schones  Ganze  sich  entwickeln  werde.

König  Anton  begann  seine  Fürstenthätigkeit  durch  ein
Geschenk  von  mindest  einer  Million,  indem  er  die  Gebühren
erließ,  welche  alle,  dem  König  lehnpflichtige  Güter  nach  altem
  Rechte  bei  jeder  Regierungsverdnderung  bezahlen  mußten.
Diese  dankbar  empfundene  Edelthat  wurde  von  verschiedenen
andern  wohlth#tigen  Maßregeln  begleitet.  Hierher  gehdrte
die  Verminderung  des  Wildstandes  in  den  kbniglichen  Forsten,
  die  dem  zeither  oft  von  Wildschäden  heimgesuchten
Bauer  eine  dusserst  frohe  Beruhigung  gewährte.  Große
Freude  hatte  das  Volk  auch  an  dem  nunmehr  wirklich  begonnenen
  Baue  der  von  allen  Seiten  so  dringend  gewünschten
Muldenbrücke  bei  Wurzen,  zu  welchem  unter  der  vorigen  langjährigen
  Regierung  immer  nicht  hatte  Zeit  werden  wollen.
Kurz  man  sah,  obschon  nicht  gerade  entscheidende  Resultate
nach  aussen,  doch  eine  gewisse  innere  Regsamkeit,  einen,
wenn  auch  langsam,  doch  beharrlich  vorschreitenden  Willen,
Fvt  ¾B  der  Zeit  sich  einem  schônern  Ziele  zu  nähern  verprach.
