Anfang  der  Unruhen  in  Sachsen.  585

zur  Rede  gestellt,  insultirte  derselbe  die  auf  das  Geschrei
des  Verwundeten  herbeieilenden  Buͤrger.  Die  Folge  war,
daß  der  Polizeisoldat  nebst  seinen  Gefaͤhrten  furchtbare
Pruͤgel  bekam,  ein  Manoͤver,  das  aus  den  benachbarten
Fenstern  mit  Bravorufen  und  Beifallsklatschen  begleitet  wurde,
und  daß  die  Lehrlinge  dem  von  Ende  die  Fenster  einwarfen,
die  Thuͤre  einstießen  und  im  Hause  selbst  Alles  demolirt  haben
  wuͤrden,  hätten  nicht  vorgeschobene  Weinfaͤsser  sie  am
weitern  Vordringen  gehindert.  Als  man  noch  nach  10  Uhr
die  Laternen  anzuͤndete,  wurden  auch  diese  von  der  Menge
zerschlagen.  Die  von  Magistrat  und  Polizei  erlassenen  Anschlaͤge
  hatten  keine  besondere  Wirkung;  denn  am  andern
Abende  wiederholte  sich  der  Tumult  und  mehrfache  Verhaftungen
  fanden  statt.  Am  4.  berief  der  Magistrat  die  Bürger-Reprasentanten
  und  die  Innungen  zusammen,  um  die
etwaigen  Wünsche  der  Bürger  zu  vernehmen  und  ihnen  die
Aufrechthaltung  der  Ordnung  anzuempfehlen;  bei  welcher
Gelegenheit  mehrere  wackere  Bürger  sich  freimüthig  über  die
Mißbräuche')  aussprachen,  durch  welche  jene  unruhigen  Bewegungen
  großentheils  herbeigeführt  worden.  Abends  rottete
  sich  wiederum  die  Masse  zusammen;  das  herbeigerufene
Militair  enthielt  sich  besonnen  jeder  Gewaltthätigkeit,  die
schwerlich  zur  Ruhe,  wohl  aber  zu  Empoͤrung  und  Blutvergießen
  geführt  haben  würde.  Das  Volk  verlangte  mit  Heftigkeit
  die  Absetzung  des  v.  Ende,  wie  auch  mehrerer  Subalternen
  des  Rathes  und  der  Polizei,  überhaupt  gänzliche
Abschaffung  der  Polizei,  wie  sie  dermalen  sey,  Freilassung
der  an  den  beiden  Abenden  Verhafteten,  Verminderung
drückender  Abgaben  u.  s.  w.  Was  die  beängstigten  Behörden
für  den  Augenblick  gewähren  konnten,  geschah.  Demohngeachtet
  zerstörte  die  Menge  das  Haus  eines  besonders  von
ihr  gehaßten  Rarhsmitgliedes,  desgleichen  mehrere  offentliche
Häuser,  die  sie  von  der  Polizei  insgeheim  begünstigt  glaubte,
  das  Haus  des  Baumeisters  Erkel,  dem  man  Schuld

*)  Am  aue  führlichsten  sind  sie  aufgezählt  in  E.  H.  F.  Hartmann's
Schrife:  die  Leipziger  Unruhen,  ihre  uUrsachen,  Schrecknisse  und
Folgen  (Gera  1850),  woselbst  sich  auch  die  Actenstücke,  Verordnungen
  und  Vorstellungen  besinden.