586  Anfang  der  Unruhen  in  Sachsen.

gab,  daß  er  100  eiserne  Bettstellen  fuͤr  das  Johannishospital,
  des  unbedeutend  wohlfeileren  Preises  wegen,  ausserhalb
Leipzigs  habe  verfertigen  lassen.  Thüren  und  Meubeln,  kurz
alles  wurde  in  dem  Landhause  des  Letztern  zerschlagen,  selbst
die  Trümmer  warf  man  in  den  Teich.  Ausserdem  aber
wurde  kein  einziges  Bürgerhaus  beschädigt,  noch  irgend  ein
Einwohner  beleidigt.  Die  Zerstdrer  hielten  sich  streng  nur
an  die  Gegenstände  ihres  Rachedurstes  und  begnügten  sich
ausserdem  mit  Drohungen.  Am  5.  bildete  sich,  nach  vorhergegangenem
  Aufrufe  von  Seiten  des  Magistrats,  die  Bürgergarde,
  welcher  sich  Gelehrte,  Studirende,  Künstler,  Kaufleute,
  Handwerker  bereikwillig  anschlossen,  um  die  Ruhe
wieder  herzustellen.  Am  folgenden  Tage  trafen  zwei  von
der  Regierung  bevollmächtigte  Beamte  zur  Untersuchung  der
vorgefallenen  Unruhen  in  Leipzig  ein,  v.  Ende  kam  dem  allgemeinem
  Wunsche  entgegen  uud  dankte  ab.  Von  allen
Seiten  wurden  jetzt  die  Beschwerden  laut,  die  sich  früher
nicht  hervorgewagt  hatten.  Der  Handelsstand  wies  in  seiner
  Vorstellung  vom  8.  Septbr.  darauf  hin,  wie,  bei  dem
zunehmenden  Sinken  des  Handels  und  Gewerbes,  bei  einer
Schuldenlast  von  mehrern  Millionen,  die  hohen  Abgaben
und  Steuern  immer  unerschwinglicher  geworden  wären,  und
an  welchen  Mängeln  und  Fehlern  die  Berwaltung  des  städtischen
  Vermögens  und  die  Communrepräsentation  bisher  gekrankelt
  habe.

Die  Botschaft  dieser  Leipziger  Vorfälle  veranlaßte  in
Dresden  große  Bewegung  und  diente  die  Aufregung  ihrem
Höhepuncte  zuzuführen.  Das  schüchterne,  mißtrauische  Benehmen
  einiger  Behörden,  mehrte  die  Zuversicht  und  die  revolutionaire
  Laune  gab  sich  unter  den  niedern  Ständen  immer
  unverholener  zu  erkennen.  Auber's  „Stumme  von
Portici,“  mit  ihren  aufrührerischen  Tönen,  so  recht  dazu  gemacht,
  die  Gefühle  der  emporten  Menge  auszusprechen,
mußte  jedem  öffentlichen  Concerte  vorzugsweise  ihre  Melodien
leihen,  and  die  Marsellaise,  ein  bekanntes  Prachtstück  der
Volkswuth,  hörte  man  an  allen  Orten,  in's  Unzähliche  wiederholt,
  spielen;  auch  erblickte  man  an  mehrern  Personen  die