Anfang  der  Unruhen  in  Sachsen.  587

franzoͤsischen  Dreifarben  und  an  den  Straßenecken  waren
während  der  Nacht  sehr  haͤufig  aufrührerische  Anschläge  angeschlagen
  worden.  Der  Abzug  der  leichten  Infanterie  auf
Cantonirung,  dem  zu  Folge  man  die  Wachen  nur  schwach
besetzen  konnte,  erleichterte  den  Ausbruch.  Am  9.  September
  Abends  zogen  aus  den  Vorstädten  zwei  Volkshaufen  unter
  ungewöhnlichem  Lärmen  in  die  Stadt,  schrien  viel  von
Börgerfreiheit  und  Gleichheit  durch  einander,  brachten  den
Leipzigern  ein  Lebehoch,  zerschlugen  die  Laternen  und  ließen
sich  selbst  durch  die  Nähe  des  königlichen  Schlosses  in  ihrem
Treiben  nicht  irre  machen.  Durch  neuen  Zulauf  vermehrt,
drängte  sich  der  Haufe  nach  dem  Altmarkte  vor  das  Rathhaus,
  das  wegen  der  ermangelnden  Beleuchtung  am  Confessionsfeste
  einen  übeln  Eindruck  zurückgclassen  hatte.  Da  die
Rathswächter,  nichts  Gutes  ahnend,  das  Hausthor  schnell
verschlossen,  so  stiegen  einige  verwegene  Männer  auf  Leitern
zu  dem  Balcon  hinauf,  warfen  Schriften  und  Geräthe  zu
den  Venstern  hinab,  die  unten  zu  einem  Haufen  aufgethürmt
und  verbrannt  wurden,  verschonten  jedoch  diejenigen  Stockwerke,
  in  denen  vormundschaftliche  Acten  und  öffentliche
Gelder  verwahrt  wurden.  Mit  noch  größerer  Kampflust
wurde  von  einem  andern  Haufen  das  ohnweit  des  Nathhauses,
  in  der  Scheffelgasse  befindliche  Polizeigebdude  angegriffen,
  die  Thüre  gewaltsam  erbrochen,  die  Polizeidiener
verjagt  und  die  Verhafteten  befreit.  Mit  unerhdrtem  Grimme
  warf  sich  die  Menge  auf  Alles,  was  sich  in  dem  Hause
vorsand.  Tische,  Stühle,  Kleidungen  und  Schriften,  Alles
wurde,  mit  den  Fenstern  selbst,  auf  die  Gasse  herabgestürzt,
jeden  neuen  Wurf  beglestete  ein  wüstes  Siegekgeschrei,  und
die  Umstehenden  beschäáftigten  sich,  die  herabsallenden  Gegenstände
  auf  einander  zu  häufen  und  zu  verbrennen.  Die
Flamme  beleuchtete  gräßlich  das  wilde  Gemälde  der  Nacht,
das  wie  ein  dumpfer,  angstvoller  Traum,  vor  den  bestürzten
Einwohnern  auftauchte,  und  die  Thüren  der  gegenüber  stehenden
  Gebdude  wurden  von  dem  Feuer  gesengt  und  angeschwärzt.
  Unter  den  Brandstiftern  selbst  wurde  Keiner  eigentlich
  kenntlich.  Sie  selbst  schienen  von  dieser  Schreckensnacht