588  Anfang  der  Unruhen  in  Sachsen.

geboren  und  dann  auch  von  ihr  verschlungen,  und  Keinen
der  Hauptthaͤter  sah  man  spaͤter  wieder.  Der  Schall  der
Sturmglocke  und  der  Trommeln  schien  die  Buͤrger  nur  an
die  Bewachung  des  eigenen  Heerdes  zu  mahnen.  Nur  einige
der  Buͤrgergarde  kamen  herbei  und  auch  diese  waren  eben
nicht  eifrig,  das  Polizeigebaͤude  zu  retten.  Die  herbeige—
rufene  wenige  Mannschaft  von  der  Artillerie  war  dem  Haufen
  nicht  gewachsen,  benahm  sich  aber  mit  soviel  Besonnen—
heit,  daß  selbst  die  Empoͤrer  sie  mit  Achtung  behandelten.
Das  Schuͤtzenbataillon  aber,  welches  vom  Confessionsfeste
her  den  Unwillen  der  Buͤrger  gegen  sich  hatte,  wurde  bei
seinem  Anruͤcken  mit  einem  Steinregen  und  mit  Feuerbränden
  empfangen,  und  mußte,  da  es  keinen  Befehl  zu  feuern
hatte,  vor  der  wuͤthenden  Menge,  die  ihm  unter  Hohnge—
laͤchter  und  unter  dem  Gebrüll:  „Schuͤtzen  hinaus“  mehrere
Strassen  folgten,  sich  zuruͤckziehen.  In  den  Morgenstunden
zuͤndeten  die  Meuterer  auch  die  Steinkohlenvorraͤthe  im
Polizeihause  an  und  die  Flammen  bedrohten  die  nebenstehenden
  Gebaäude,  von  denen  man  nur  mit  Mühe  den  Brand
abwendete.  Selbst  das  Dach  des  Polizeihauses  wurde  abgetragen
  und  alle  Anstalten  getroffen,  letzteres  gänzlich  wegzutilgen
  und  der  Erde  gleich  zu  machen.  Das  Wachhaus
am  Wilsdruffer  Thore  wurde  von  einem  Pöbelhaufen  angefallen,
  und  die  Schützen  mußten  auf  höhern  Befehl  die
Stadt  verlaßen.  Die  Bürgergarde  übernahm  den  Dienst.
In  den  Frühstunden  des  andern  Tages  (10.  Septbr.)  schlugen
  die  Bürger  dem  Stadtrathe  eine  allgemeine  Bewaffnung
als  das  sicherste  Mittel  zu  Wiederherstellung  der  Ruhe,  vor,
welche  auch  sofort  mit  bewundernswürdiger  Schnelligkeit  ins
Leben  trat.  Männer  und  Jünglinge  aus  allen  Ständen  eilten
in  das  Zeughaus,  um  sich  mit  Waffen  zu  versehen  und  sich  die
weiße  Binde,  das  Zeichen  der  Gutgesinnten,  um  den  Arm  zu
schlingen.  Schon  am  Nachmittage  des  ersten  Tages  waren  2000
Mann  unter  den  Waffen.  Das  in  dem  verheerten  Pollzeigebäude
noch  immer  umherkramende  Gesindel  (die  eigentlichen  Anführer
hatten  sich  noch  vor  Anbruch  des  Tages  zerstreut,  ohne  daß
man  ihnen  auf  die  Spur  kam)  wurde  festgenommen,  und